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European Social Survey 2025: Rechtsruck und demokratiegefährdenden Ideen im Unterricht begegnen

Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 gewann die AfD über 10 Prozentpunkte seit der vorherigen Wahl im Jahr 2021 dazu. Auch in anderen europäischen Ländern konnten rechtspopulistische Parteien Zugewinne an Wähler*innenstimmen verzeichnen. Diese Entwicklung löst bei vielen Bürger*innen die Sorge aus, die Demokratie in Europa könne gefährdet sein. Die aktuelle European Social Survey Studie und ein neues Infosheet des Deutschen Jugendinstituts untersuchten deswegen unter anderem die Einstellungen deutscher Jugendlicher und junger Erwachsener zwischen 16 und 30 Jahren zur Demokratie in Deutschland und Europa.

Das Ergebnis: Im europäischen Vergleich sprechen sich weiterhin überdurchschnittlich viele junge Menschen in Deutschland für die Demokratie aus. Obwohl sie Defizite in der Politik erkennen und nicht mit allen politischen Entscheidungen zufrieden sind, möchten sie die Demokratie langfristig schützen. Einige werden dafür bereits durch die Teilnahme an Wahlen, in ehrenamtlichen Tätigkeiten, in den sozialen Medien, bei Demonstrationen oder privat durch den Boykott von Waren aktiv. Außerdem zeigen die Studienbefunde, dass mit dem Alter die Zustimmung für autokratische Ideen und Verschwörungen steigt. Deswegen ist es wichtig, eine demokratische Grundeinstellung schon in jungen Jahren zu festigen und junge Menschen an politischen Prozessen teilhaben zu lassen sowie ihnen selbstwirksame Erfahrungen in diesem Kontext zu ermöglichen.

Um dieses Ziel zu erreichen, sollte nicht nur die Politik, sondern auch Schulen und andere Bildungsinstitutionen das politische Interesse in den jüngeren Altersgruppen wecken und auf deren Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen und Prozessen eingehen. Zwar liegt das Politikinteresse in Deutschland derzeit über dem europäischen Durchschnitt, allerdings glauben viele junge Menschen, dass sie geringe bis keine Einflussmöglichkeiten auf die Politik haben. Vor allem junge Frauen und Personen mit niedrigen bis mittleren Schulabschlüssen sind diesbezüglich besonders pessimistisch. Junge Menschen sollten demnach bereits früh in ihrer politischen Selbstwirksamkeit bestärkt werden, indem Möglichkeiten zur politischen Partizipation für sie geschaffen und sie zur Ergreifung dieser aufgefordert werden.

Ein Ansatzpunkt ist mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunächst einmal über ihre eigenen Vorstellungen von Demokratie zu sprechen — Was bedeutet Demokratie für mich? — und zu schauen welche Inhalte, denen sie in den Medien und online begegnen, unsere Demokratie gefährden. Die Unterrichtseinheit „Hass in der Demokratie begegnen“ von Medien in die Schule kann dabei helfen. In Modul 1 werden die Schüler*innen zum Teilen ihrer eigenen Auffassungen von Demokratie angeregt. Anschließend werden sie in drei weiteren Modulen über die Risiken von Rechtsextremismus, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Hate Speech aufgeklärt und es werden ihnen wichtige Kompetenzen und Strategien gegen diese Phänomene vermittelt. Die Unterrichtseinheit „Meinung im Netz gestalten“setzt sich ergänzend mit den Risiken von Verschwörungsideologien und Desinformation auseinander. In der Zusatzeinheit „Antisemitismus online“ kann das erworbene Wissen abschließend noch auf den spezifischen Kontext von Judenhass und versteckten judenfeindlichen Symbolen in den sozialen Medien angewendet, erweitert und vertieft werden.

Antisemitismus online und Holocaustleugnung im Unterricht behandeln: neue Zusatzeinheit veröffentlicht

Am 27. Januar 2025 fand der 80. Gedenktag der Befreiung des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz statt. Zu diesem Anlass erscheint der Dokumentarfilm „Auschwitz – Countdown zur Befreiung“ als internationales Gemeinschaftsprojekt. Angelehnt an die Dokumentation veröffentlichen wir mit der Zusatzeinheit „Antisemitismus online. Wie kannst du Holocaustleugnung und Antisemitismus im Netz erkennen und von Aufklärungsangeboten lernen?“ ein Unterrichtsmaterial, das Lehrkräften dabei hilft, sich mit Jugendlichen über Antisemitismus auf Online-Plattformen auseinanderzusetzen. Es arbeitet dabei u.a. mit ausgewählten Filmausschnitten. Die gesamte Dokumentation kann von Lehrenden und Schüler*innen (ohne erforderliche Abo-Anmeldung / ohne Werbung) hier online angeschaut werden.

Desinformation, Extremismus, Verschwörungsideologien und Hassrede

Laut der JIM-Studie 2024 stößt die Mehrheit der Jugendlichen mittlerweile online regelmäßig auf mindestens eines dieser Phänomene. Jedoch sind Desinformation und Hass nicht immer sofort zu erkennen: Besonders Juden*Jüdinnen sind häufig von solchen Phänomenen betroffen, beispielsweise in Form von codierten, antisemitischen Beiträgen online. Durch die neue Zusatzeinheit „Antisemitismus online“ sollen Jugendliche deshalb dazu befähigt werden, Hassrede gegen Juden*Jüdinnen zu erkennen, zu widerlegen und aktiv gegen solche Inhalte zu handeln.

Zur Zusatzeinheit und Download verschiedener Dateiformate | Direkt zum PDF

Hinweise für Lehr- und pädagogische Fachkräfte

  • Dauer: Die Zusatzeinheit ist auf die Dauer einer Unterrichtsstunde (45 Min.) angelegt. Unter „Hinweise“ stellen wir die Option vor, die Einheit auf eine Doppelstunde (90 Min.) zu erweitern.
  • Zielgruppe: Die Unterrichtsmaterialien von „Medien in die Schule“ richten sich an Lehrende der Sek. I und II. Für die Bearbeitung der vorliegenden Zusatzeinheit empfehlen wir bereits vorhandenes Basisvorwissen der Schüler*innen zu den Themen Verbrechen des Nationalsozialismus und Holocaust.

Vorgestellt: Filmheft „Auschwitz – Countdown zur Befreiung“

Das medienpädagogische Portal MEDIENRADAR bietet zum Dokumentarfilm „Auschwitz – Countdown zur Befreiung“ ein pädagogisches Filmheft für Lehrende an, um Themen wie den Holocaust, Antisemitismus, Nationalsozialismus und Erinnerungskultur fundiert im Unterricht oder Workshops zu behandeln. Es enthält Hintergrundwissen, Aufgaben und didaktische Anknüpfungspunkte – ideal ab Klassenstufe 9:
Zum Lernmodul auf medienradar.de | direkt zum Filmheft (PDF)

Anne Frank Tag 2025: Digitale Erinnerungsangebote zum Nationalsozialismus und Holocaust

Anlässlich Anne Franks Geburtstag findet am 12. Juni 2025 ein bundesweiter Aktionstag von Schulen gegen Antisemitismus und Rassismus statt. Die Anmeldung dazu läuft noch bis zum 28. Februar. Unter dem Motto „Erinnern und Engagieren digital“ werden die teilnehmenden Schulen dazu motiviert, sich mithilfe verschiedener digitaler Erinnerungsangebote mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinanderzusetzen. Außerdem werden sie dazu angeregt, die Vergangenheit kritisch zu reflektieren und daraus Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen.

Organisiert wird die Aktion vom Anne Frank Zentrum, welches ebenfalls vielfältige, kostenfreie Lernmaterialien für angemeldete Schulen in Print und digital bereitstellt. Anhand einer Plakatausstellung, Zeitungsbeiträgen und einem Zeitzeugen-Interview mit der Jüdin Rozette Kats sollen die Schüler*innen mit dem Leben der Anne Frank und vieler anderer Jüdinnen*Juden unter dem Nationalsozialismus vertraut gemacht werden. Aber auch Lehrkräfte können durch das Begleitheft und Online-Workshops mehr über Antisemitismus und Erinnerungskultur online lernen.

Die Anmeldung dazu erfolgt bis zum 28. Februar 2025 über dieses Formular.

Doch nicht nur am Anne Frank Tag selbst sollen Schulen aktiv werden. Die Schulen werden dazu eingeladen, sich auch in den Wochen rund um den Aktionstag mit der Thematik zu beschäftigen und eigene Projekte zu organisieren. Für den Einsatz im Unterricht eignet sich dazu unsere Zusatzeinheit „Antisemitismus online“. Darin wird thematisiert, wie man versteckte antisemitische Botschaften im digitalen Raum erkennt und es werden weitere digitale Erinnerungsangebote vorgestellt. Zudem stellt das Anne Frank Zentrum auch die Lernmaterialien und eine Karte der Schulprojekte aus den vergangenen Jahren zur Verfügung, die als Anhaltspunkte für eigene Aktionen dienen können.