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JIM-Studie 2023: Jugendliche sind vermehrt Online-Risiken ausgesetzt und fühlen sich durch die Schule gestresst

Im Jahr 1998 rief der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest das Pendant der KIM-Studie für Jugendliche, die JIM-Studie, ins Leben. Seitdem befragt der Verbund jährlich ca. 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren aus ganz Deutschland zu ihrem Medienalltag. Dabei wird primär die Nutzung und der Konsum verschiedener Medien in der Freizeit gemessen, jedoch werden auch die Rezeption von Nachrichten und Informationen, die persönliche Wahrnehmung von Desinformation und der Medieneinsatz in der Schule erfasst.

In 2023 wurde darüber hinaus ein besonderer Fokus auf die Eindrücke und Empfindungen von Schüler*innen gegenüber dem Einsatz von digitalen Tools wie Schulmessengern und Schulclouds gelegt. Auch wurde zum ersten Mal erfasst, wie stark Jugendliche gegen ihren Willen pornografischen Inhalten ausgesetzt werden und wie prävalent sexuelle Belästigung im Netz ist.

Womit Jugendliche ihre Freizeit verbringen

Auch im vergangenen Jahr ist der Medienkonsum der Jugendlichen erneut rundum angestiegen, jedoch bleiben Aktivitäten wie sich mit Freunden treffen, Sport treiben oder etwas mit der Familie unternehmen weiterhin beliebt. Allerdings verbringen mittlerweile 93% der Jugendlichen täglich Zeit am Handy und verzeichnen damit eine durchschnittliche Bildschirmzeit am Smartphone von 213 Minuten pro Tag. 43% aller Jugendlicher sind sich ihrer Bildschirmzeit jedoch bewusst und achten aktiv darauf, ihre Zeit am Smartphone in Grenzen zu halten. Knapp über die Hälfte genießen es auch, regelmäßig Zeit offline zu verbringen und die Mehrheit hält das Handy für einen Zeitfresser.

Unabhängig vom Gerät sind Jugendliche derzeit im Schnitt 224 Minuten pro Tag im Internet unterwegs. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 204 Minuten. Social Media Apps wie WhatsApp, Instagram und TikTok sind dabei besonders populär. Aber nicht nur unterhaltende Beiträge werden auf diesen Plattformen rezipiert, sondern sie dienen mittlerweile auch als wichtige Informationsquelle: Etwa ein Drittel aller Jugendlicher informiert sich auf YouTube, TikTok oder Instagram zum aktuellen Weltgeschehen. Als besonders interessant werden dabei die Themen Klimawandel (63%), Ukraine-Krieg (54%) und Diversity/Vielfalt (40%) betrachtet. Damit stehen die sozialen Medien an vierter Stelle der Informationsquellen hinter dem Gespräch mit Familienmitgliedern, Nachrichten aus dem klassischen Fernsehen oder Radio und dem Gespräch mit Freunden. Zusätzlich haben 39% mindestens eine Nachrichtenapp installiert und zwei Drittel halten sich selbst für gut informiert.

Immer mehr Jugendliche machen negative Erfahrungen im Netz

Allerdings begegnen mit der steigenden Nutzung von sozialen Netzwerken auch immer mehr Jugendliche Desinformation und Beleidigungen im Netz. Über die Hälfte ist schon einmal mit Fake News und beleidigenden Kommentaren in Berührung gekommen und extreme politische Ansichten, Verschwörungstheorien und Hassbotschaften liegen mit ca. 40% nicht weit dahinter. 14% wurden selbst schon einmal Opfer von Beleidigungen. Schüler*innen müssen deswegen stärker für diese Phänomene sensibilisiert werden und lernen, Desinformation zu erkennen und extremistischen Meinungen zu begegnen. Die Unterrichtseinheit „Hass in der Demokratie begegnen“ von Medien in die Schule eignet sich dazu, da sie Jugendliche altersgerecht über Rechtsextremismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Hate Speech aufklärt.

Auch wurden 2023 zum ersten Mal der Kontakt zu pornografischen Inhalten erfasst, welchen 23% aller Jugendlichen schon einmal unfreiwillig ausgesetzt wurden. Fast ein Drittel ist zudem bereits selbst sexuell belästigt worden, 6% der Betroffenen passiert dies sogar mehrmals pro Woche. Mädchen sind dabei mit einem Unterschied von 12 Prozentpunkten deutlich häufiger betroffen als Jungen. Meistens finden solche sexuellen Belästigungen auf Instagram (35%), TikTok (20%) oder Snapchat (14%) statt. Jugendliche müssen vor solchen Situationen geschützt werden und sie müssen, darin unterstützt werden, problematische Inhalte und Situationen selbst zu erkennen. Die Module „Persönliche Daten“ und „Identitäten und Profile: Jeder kann Jeder sein?“ helfen Jugendlichen dabei, ihre persönlichen Informationen im Internet privat zu halten und Profile von potenziell böswilligen Personen zu erkennen. Das Modul „Erscheinungsformen problematischer Inhalte und Verhaltensweisen im Netz“ der Einheit Jugendliche online hingegen bringt ihnen bei, kritische Situationen im Internet auszumachen und angemessen darauf zu reagieren.

Digitale Medien und Schule: Schulmessenger als Stressfaktor

63% aller Schüler*innen zwischen 12 und 19 Jahren gehen regelmäßig im Unterricht online. Am häufigsten werden dabei Tablets (39%), Smartphones (35%), Smartboards (26%) und Laptops (21%) genutzt. Durch die Corona-Pandemie und den vermehrten Einsatz von Tools wie Schulmessengern, Schulclouds und Online-Meetings verschwimmt die Linie zwischen Schule und Freizeit immer mehr. 79% aller Schüler*innen geben an, einen Schulmessenger zu nutzen und 31% haben dadurch das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. 30% können deshalb nicht richtig von der Schule abschalten und 24% fühlen sich deswegen gestresst. Jeder Fünfte verliert dadurch auch den Überblick über die eigenen Aufgaben und fühlt sich technisch überfordert. Aufgrund dessen ist es wichtig, dass Lehrkräfte sich dieses Stressfaktors bewusst sind und die Präferenzen und Sorgen der Schüler*innen beachtet werden.

Das Modul „Deine Meinung zum Thema »Onlinekommunikation«“ hilft dabei, ins Gespräch zu treten und Schüler*innen den Freiraum zu lassen, offen über Kommunikation im Netz und ihre eigenen Empfindungen zu reden. Dabei können mithilfe des Moduls „Für ein respektvolles Miteinander: Regeln für den Gruppen-/Klassenchat“ Regeln ausgehandelt werden, die den Kontakt über Schulmessenger und in Klassenchats nicht nur zwischen Lehrkräften und Schüler*innen, sondern auch zwischen Klassenkameraden einschränken und ein angenehmes Klassenklima gewährleisten.