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Wie sich Extremismus unter Jugendlichen verbreitet

Ob in einem Zeitungsartikel, einem Social-Media-Post oder einer privaten Nachricht: Extremistische Ideen und Hassrede können sich überall „verstecken“. Aus diesem Grund hat sich jugendschutz.net — das Kompetenzzentrum für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet — im Jahr 2024 mit zwei Wegen beschäftigt, die verschiedene extremistische Gruppierungen zur Verbreitung ihrer Ideologien nutzen. Zum einen untersuchten sie, wie Rechtsextremist*innen in Discord-Communities aktiv werden. Dort streuen sie in Servern zu unverfänglichen Themen, wie dem Austausch über Hobbys oder gemeinsame Interessen, ihr Gedankengut unter Kindern und Jugendlichen. Zum anderen werteten sie die Social-Media-Posts von islamistischen Influencer*innen aus. So konnten gängige Formate identifiziert werden, welche diese zur Rekrutierung von jungen Menschen nutzen. Insgesamt war das Ziel beider Untersuchungen herauszufinden, wie sich Extremismus unter Kindern und Jugendlichen verbreitet und weswegen diese Inhalte bei jungen Menschen aktuell auf so große Resonanz stoßen.

Islam vs. Islamismus: Wo liegt der Unterschied?

Zuerst ist es wichtig zu verstehen, dass nicht alle Inhalte, die sich mit dem Islam befassen, extremistisch oder hassverbreitend sind. Oft wollen Muslim*innen online mit ihren Accounts nur über ihre Religion aufklären, mit Vorurteilen aufräumen, ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Islam teilen oder junge bzw. konvertierte Muslim*innen auf nützliche Ressourcen aufmerksam machen. Doch Islamist*innen nutzen genau diese aufklärenden Kanäle als eine Art Deckmantel. Sie reihen sich vermeintlich ein, um ihre tatsächlichen Absichten zu tarnen.

Obwohl sie nur eine Minderheit unter den Muslim*innen darstellen, präsentieren sich islamistische Influencer*innen als Ansprechpersonen, Vordenker*innen und Interessenvertreter*innen aller Muslim*innen. Dabei kann in erster Linie zwischen zwei Arten von Islamist*innen unterschieden werden: den Salafist*innen, welche sich die Rückkehr zu unzeitgemäßen, strengen Sitten und Regeln der islamischen Frühzeit wünschen, und den politisch-aktivistischen Islamist*innen. Diese propagieren die Ideen der in Deutschland verbotenen radikalen Bewegung Hizb-ut Tharir und den Wunsch nach einem globalen islamistischen Kalifat. Beide Gruppen nutzen die sozialen Medien aktiv, um potenzielle neue Anhänger*innen von ihren Ansichten zu überzeugen und für sich zu gewinnen.

Wie sehen islamistische Inhalte aus und an wen richten sie sich?

Die Mehrheit der islamistischen Accounts wird von Männern betrieben, die wiederum ebenso in erster Linie muslimische Jungen ansprechen. Allerdings gibt es durchaus weibliche islamistische Influencerinnen und Rezipientinnen. Diese Influencer*innen versuchen oft modern und modisch zu wirken. Sie verlosen beispielsweise Merchandise, um bei ihrer jungen Zielgruppe gut anzukommen und ihre Reichweite zu erhöhen. Anschließend nutzen sie ihren Influencer*innenstatus aus, um ihre Follower*innen dazu zu manipulieren, bedenkliche Inhalte und Hass zu verbreiten.

Jugendliche erreichen sie vor allem dadurch, dass sie konkret Themen aus deren Lebenswelt ansprechen und Orientierung ihnen bieten. In die Antworten auf Fragen Heranwachsender werden gezielt islamistische Ideen von ihnen eingewoben. So formulieren sie beispielsweise ihre frauenfeindlichen Ansichten oft als Antworten auf Fragen zu Liebe und Partnerschaft.  Sie stellen etwa die Unterwerfung der Frau als eine notwendige Voraussetzung für eine langfristige Beziehung dar. Auch queere Beziehungen und Transidentitäten werden strikt von ihnen abgelehnt. Inhalte der LGBTQ+ Community und Informationen zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt werden als Propaganda des Westens gegen die islamischen Werte bezeichnet und abgewertet.

Generell versuchen solche Akteur*innen ein falsches, negatives Bild von Deutschland zu konstruieren und einen „Islamischen Staat“ im Kontrast als idealen Staat darzustellen. Dafür verzerren und verfälschen sie systematisch Inhalte und verbreiten gezielt Desinformation. Eine populäre Strategie ist, reale rassistische oder diskriminierende Ereignisse, die Jugendlichen Sorgen bereiten, als Teil einer fiktiven „anti-muslimischen Zwangsassimilation“ durch den deutschen Staat zu interpretieren. Dadurch soll in den Jugendlichen Misstrauen und Unsicherheit gegenüber Deutschland gesät werden.

Häufig werden auch andere Religionen konsequent abgelehnt. Besonders Juden*Jüdinnen werden als Feindbild betrachtet und sind oftmals das Ziel von Hate Speech. So missbrauchen Islamist*innen Fotos und Videos aus Gaza für ihre politischen Zwecke. Bilder von Kriegs- und Gewalthandlungen werden genutzt, um jüdischen Menschen einen allgemeinen Hass auf alle Muslim*innen zu unterstellen. Aus der Perspektive des Jugendmedienschutzes ist es zudem problematisch, wenn Kinder und Jugendliche mit diesen drastischen Bildern konfrontiert werden, weil diese traumatisierend und verstörend wirken können.

Rechtsextremismus auf Discord

Prinzipiell ist es nicht problematisch, wenn sich Kinder und Jugendliche über soziale Medien und Messenger-Dienste untereinander vernetzen, Kontakte knüpfen und Freund*innen finden. Vor allem junge Menschen, denen dies sonst schwerfällt, können davon profitieren. Discord ist eine der Plattformen, die häufig dafür genutzt wird.

Allerdings zielen diese Communities in bestimmten Servern darauf ab, Kinder und Jugendliche gezielt für extremistische und antidemokratische Gruppierungen zu rekrutieren und zur Annahme von radikalem Gedankengut zu „groomen“. Vor allem thematisch passende Server wie zum Interessensgebiet „Geschichte“ oder zu Videospielen, die im Zweiten Weltkrieg oder zur Zeit des Nationalsozialismus angesiedelt sind, werden oft zur Verbreitung rechtsextremer Ideologien genutzt. Die Unerfahrenheit der Kinder und Jugendlichen wird dabei gezielt ausgenutzt, um sie emotional zu manipulieren. Zum einen greifen viele Rechtsextremist*innen dabei auf Komplimente und den persönlichen Austausch zurück. So soll Nähe geschaffen werden , aber auch Schuld und Scham geweckt werden, wenn Heranwachsende nicht gemeinsam mit den Rechtsextremist*innen an deren Aktionen teilnehmen oder deren Erwartungen erfüllen. Auf diese Weise werden junge Menschen langfristig zu immer extremeren Handlungen gedrängt. Oft geben sich erwachsene Extremist*innen auch als Gleichaltrige aus, um das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu gewinnen.

Zum Teil findet dieses „extremistische Grooming“ im ersten Schritt in öffentlichen Communities statt, in denen gezielt nach vulnerablen Kindern und Jugendlichen gesucht wird. Wenn ein*e Nutzer*in als potenzielles neues Mitglied der Gruppierung in Betracht gezogen wird, nehmen die Extremist*innen anschließend meist über private Nachrichten Kontakt auf, statt sich öffentlich im Server dazu zu äußern. Da dieser Austausch hauptsächlich im Verborgenen stattfindet, spricht man auch von „Dark Social“. Außenstehende wie Eltern, Freund*innen und Bekannte bleiben über diese manipulative Kommunikation „im Dunkeln“. Nur in sogenannten „Fringe Communities“ bzw. „Rand-Communities“, welche ausschließlich aus Extremist*innen bestehen, werden Betroffene auch im Gruppensetting indoktriniert. Verschiedene serverspezifische Nutzer*innen-Rollen können zusätzlich verwendet werden, um Hierarchien innerhalb der Gruppe herzustellen und junge Menschen zur weiteren Radikalisierung zu animieren.

Um diesem systematischen Säen von Misstrauen und Hass entgegenzuwirken, ist es wichtig Jugendliche für diese Taktiken zu sensibilisieren. Damit extremistische Ideen nicht weiterverbreitet werden. Außerdem ist es notwendig, junge Menschen dazu zu befähigen, konstruktiv auf derartige Inhalte zu reagieren und andere auf Desinformation und Hate Speech aufmerksam zu machen. Medien in die Schule und weitklick stellen dazu einige Materialien bereit, um diese Kompetenzen im Unterricht zu erlernen und zu stärken:

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https://youtu.be/BEVkXv7dREI

Jugendschutz im Internet 2024: Extremismus, Cybermobbing und sexualisierte Gewalt im Aufschwung

Im Jahr 2024 registrierte die Meldestelle von jugendschutz.net insgesamt 17.630 Verstoßfälle — damit sind es mehr als doppelt so viele Verstöße wie durchschnittlich in den letzten drei Jahren verzeichnet wurden. Das Kompetenzzentrum führt im aktuellen Jahresbericht den enormen Zuwachs an Meldungen in erster Linie auf die steigende Zahl an Fällen sexualisierter Gewalt online zurück. Diese machten etwa 90 Prozent aller Verstöße aus. Aber auch politischer Extremismus, insbesondere in Form von Rechtsextremismus und Islamismus, hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Zudem werden die Kommentarspalten unter Videos mit Straßenumfragen in den sozialen Medien vermehrt Schauplatz von Cybermobbing.

Angesichts des derzeit ohnehin stark polarisierten gesellschaftlichen und politischen Klimas ist es besonders wichtig, Kinder und Jugendliche online vor solchen problematischen oder gefährdenden Phänomenen zu schützen, altersgerecht aufzuklären sowie sie für den Umgang mit diesen zu befähigen. Der Bericht betont die Bedeutsamkeit von Medienbildung. Prävention spielt dabei eine zentrale Rolle, aber auch die Unterstützung von Betroffenen und Handlungsstrategien bei Notfällen. Wichtige Anlaufstellen können dabei Schulen und Lehrkräfte, aber auch Familie, Freund*innen und Melde- und Beratungsangebote sein.

Um einen Beitrag zur Aufklärung über diese Phänomene beizutragen, wird Medien in die Schule in den kommenden Wochen drei Blogartikel zu den Schwerpunkten des Jahresberichtes veröffentlichen. In diesen wird nochmals im Detail auf die Erkenntnisse eingegangen und werden weiterführende Materialien für den Unterricht vorgeschlagen.  Die Beiträge können nach der Veröffentlichung hier abgerufen werden:

Adolescence: Die neue Netflix-Serie zu Incels, toxischer Maskulinität und geschlechterbasierter Gewalt

Als eine seiner Klassenkameradinnen ermordet wird, steht der 13-jährige Jamie als Haupttatverdächtiger im Mittelpunkt der Ermittlungen. Verhöre durch die Polizei und eine Psychologin, Tatortuntersuchungen und Gespräche mit seiner Familie und Freunden folgen — und offenbaren Jamies Aktivitäten in sogenannten „Incel-Communities“ online. Wie solche problematischen Online-Communities zur Verbreitung diskriminierender Ideologien und sogar zu erhöhter Gewaltbereitschaft führen kann, thematisiert die neue Netflix-Serie „Adolescence“ anhand der fiktiven Geschichte von Jamie Miller. Auch für Schulen werden Themen wie Incels, toxische Maskulinität und geschlechterbasierte Gewalt immer relevanter.

Was sind Incels eigentlich?

Der Begriff „Incel“ kommt aus dem Englischen und setzt sich aus den Bestandteilen „involuntary“ und „celibate“ zusammen. Übersetzt bedeutet dies so viel wie „unfreiwillig sexuell enthaltsam/zölibatär“. Denn Incels sind heterosexuelle Männer, die ungewollt single sind und keinen sexuellen Verkehr haben. Die Schuld daran geben sie Frauen und dem Feminismus. Sie sind davon überzeugt, dass Frauen nur Beziehungen mit Männern eingehen, welche dem klassischen männlichen Idealbild — groß, stark, maskulin und dominant — entsprechen. Diesem können viele Incels jedoch nicht gerecht werden. Außerdem soll der Feminismus vermeintlich dazu geführt haben, dass Frauen ihre durch traditionelle Geschlechterrollen vorgeschriebenen „Pflichten“ gegenüber Männern nicht mehr erfüllen. Dazu zählen unter anderem auch ihre romantischen und sexuellen „Pflichten“ gegenüber Männern. Obwohl dies nicht der Realität entspricht, versuchen Incels sich dadurch ihr eigenes Single-Dasein zu erklären.

Mit der Zeit entwickeln viele Incels einen Hass auf Frauen, der in Form von geschlechterspezifischen Beleidigungen, Gewaltfantasien und anderen frauenfeindlichen Taten ausgelebt wird. Insbesondere Frauen, die Incels attraktiv und anziehend finden, die nach ihrer Wahrnehmung für sie allerdings nicht erreichbar scheinen, sind von solchem Hass betroffen. Doch nicht immer bleibt es bei verbalen Angriffen: Seit 2014 wurden allein in den USA und Kanada mehr als 50 Menschen von Incels ermordet.

Was können Schulen dagegen tun?

Schon früh können Kinder und Jugendliche auf Inhalte im Internet zugreifen und somit mit Incel- Communities in Kontakt kommen. Deswegen ist es wichtig, mit ihnen über problematische Geschlechterrollen und geschlechterbasierte Gewalt zu sprechen, sie über Incels aufzuklären und zu thematisieren, weswegen diese problematisch sowie gefährlich sind. An weiterführenden Schulen in Großbritannien wird die neue Netflix-Serie beispielsweise bereits eingesetzt, um das Thema für Schüler*innen zugänglich zu machen. Das Material „Von toxischer Männlichkeit und digitalen Codes: Was Eltern und pädagogische Fachkräfte wissen müssen“ von klicksafe soll Lehrkräften helfen, Incels und toxische Maskulinität auch an deutschen Schulen zur Diskussion zu stellen. Darin wird ebenfalls Bezug auf die Netflix-Serie genommen, aber es werden auch darüber hinaus von Incels verwendete Emojis und Symbole erläutert, die Rolle von Empfehlungsalgorithmen bei der Verbreitung von Incel-Gedankengut und toxischer Maskulinität problematisiert sowie praktische Tipps für Lehrkräfte und Eltern gegeben.

Hinter der Incel-Ideologie verbergen sich noch andere grundlegende Probleme wie etwa gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Hate Speech, deren Verständnis für die langfristige Prävention der Verbreitung von Incels nötig ist. Die Module „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ und „Hate Speech von Medien in die Schule können im Unterricht dafür eingesetzt werden, um Schüler*innen für diese Phänomene zu sensibilisieren und ihnen Strategien für das Handeln gegen diskriminierende Äußerungen und Bewegungen online zu vermitteln. Der Artikel „Extremismus, Populismus und Desinformation im Netz von Elternguide.online kann ebenfalls dabei helfen, sich einen Überblick über Kommunikationsrisiken online zu verschaffen und ist zudem für die Elternarbeit geeignet.

Die Module „Ich im Netz“ und „Ich im Netz und in der Gesellschaftkönnen ergänzend zur Reflektion des eigenen Verhaltens im Internet anregen und bieten die Möglichkeit, dass Schüler*innen sich Gedanken zu einer idealen Netzkultur machen. Insgesamt sollen diese Unterrichtsmaterialien dazu beitragen, Schüler*innen auf problematische Phänomene allgemein sowie im spezifischen Kontext von Incels aufmerksam zu machen und sie in ihrer Handlungsfähigkeit gegen diese zu bestärken.

Antisemitismus online und Holocaustleugnung im Unterricht behandeln: neue Zusatzeinheit veröffentlicht

Am 27. Januar 2025 fand der 80. Gedenktag der Befreiung des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz statt. Zu diesem Anlass erscheint der Dokumentarfilm „Auschwitz – Countdown zur Befreiung“ als internationales Gemeinschaftsprojekt. Angelehnt an die Dokumentation veröffentlichen wir mit der Zusatzeinheit „Antisemitismus online. Wie kannst du Holocaustleugnung und Antisemitismus im Netz erkennen und von Aufklärungsangeboten lernen?“ ein Unterrichtsmaterial, das Lehrkräften dabei hilft, sich mit Jugendlichen über Antisemitismus auf Online-Plattformen auseinanderzusetzen. Es arbeitet dabei u.a. mit ausgewählten Filmausschnitten. Die gesamte Dokumentation kann von Lehrenden und Schüler*innen (ohne erforderliche Abo-Anmeldung / ohne Werbung) hier online angeschaut werden.

Desinformation, Extremismus, Verschwörungsideologien und Hassrede

Laut der JIM-Studie 2024 stößt die Mehrheit der Jugendlichen mittlerweile online regelmäßig auf mindestens eines dieser Phänomene. Jedoch sind Desinformation und Hass nicht immer sofort zu erkennen: Besonders Juden*Jüdinnen sind häufig von solchen Phänomenen betroffen, beispielsweise in Form von codierten, antisemitischen Beiträgen online. Durch die neue Zusatzeinheit „Antisemitismus online“ sollen Jugendliche deshalb dazu befähigt werden, Hassrede gegen Juden*Jüdinnen zu erkennen, zu widerlegen und aktiv gegen solche Inhalte zu handeln.

Zur Zusatzeinheit und Download verschiedener Dateiformate | Direkt zum PDF

Hinweise für Lehr- und pädagogische Fachkräfte

  • Dauer: Die Zusatzeinheit ist auf die Dauer einer Unterrichtsstunde (45 Min.) angelegt. Unter „Hinweise“ stellen wir die Option vor, die Einheit auf eine Doppelstunde (90 Min.) zu erweitern.
  • Zielgruppe: Die Unterrichtsmaterialien von „Medien in die Schule“ richten sich an Lehrende der Sek. I und II. Für die Bearbeitung der vorliegenden Zusatzeinheit empfehlen wir bereits vorhandenes Basisvorwissen der Schüler*innen zu den Themen Verbrechen des Nationalsozialismus und Holocaust.

Vorgestellt: Filmheft „Auschwitz – Countdown zur Befreiung“

Das medienpädagogische Portal MEDIENRADAR bietet zum Dokumentarfilm „Auschwitz – Countdown zur Befreiung“ ein pädagogisches Filmheft für Lehrende an, um Themen wie den Holocaust, Antisemitismus, Nationalsozialismus und Erinnerungskultur fundiert im Unterricht oder Workshops zu behandeln. Es enthält Hintergrundwissen, Aufgaben und didaktische Anknüpfungspunkte – ideal ab Klassenstufe 9:
Zum Lernmodul auf medienradar.de | direkt zum Filmheft (PDF)

Safer Internet Day 2025: „Keine Likes für Lügen“ Digitale Schulstunde und Webinar | 11.2. und 18.02.

Wir empfehlen zwei Veranstaltungen anlässlich des Safer Internet Days. Unter dem Motto „Keine Likes für Lügen!“ widmet sich der SID 2025 den Themen Desinformation, Extremismus und Populismus im Netz. Am 11.02.2025 von 10:00 bis 11:30 Uhr findet dazu eine digitale Schulstunde für Schüler*innen der Klassen 8 bis 10 statt, gefolgt von einem Webinar für Fachkräfte und Eltern am 18.02. zwischen 17:00 und 18:30 Uhr.

Die Veranstaltungen sind Aktionen des deutschen Safer Internet Centres, zu dem neben der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e.V.) auch klicksafe, eco, jugendschutz.net und die Nummer gegen Kummer e.V. gehören.

Über die digitale Schulstunde

In der digitalen Schulstunde direkt am Safer Internet Day (11. Februar) erweitern die Schüler*innen gemeinsam mit medienpädagogischen Expert*innen nicht nur ihr Wissen über Desinformation und Rechtsextremismus, sondern stärken auch die eigene Handlungskompetenz und digitale Zivilcourage. Expert*innen von klicksafe und jugendschutz.net stellen den Teilnehmenden aktuelle Fallbeispiele und Erkenntnisse vor. Anschließend können sie selbst in Gruppenarbeiten, interaktiven Live-Umfragen und Fragerunden aktiv werden und ihre Kenntnisse festigen. Weitere Informationen über die Veranstaltung finden Sie hier.

Zur Anmeldung bis zum 10.02.2025 über das Online-Formular

Über das Webinar

Im Webinar „Keine Likes für Lügen: Was tun gegen populistische und extremistische (Deep) Fakes im Internet? – Was Fachkräfte & Eltern wissen müssen“ erhalten Eltern und Fachkräfte am 18. Februar einen Überblick über aktuelle Trends und Phänomene im Bereich des Jugendschutzes, Beratungs- und Medienbildungsangebote sowie die rechtliche Lage bezüglich Falschinformationen, (KI-generierten) Deepfakes und Hate Speech. Weitere Informationen über die Veranstaltung finden Sie hier.

Zur Anmeldung über das Online-Formular

Hinweis: Die digitale Schulstunde und das Webinar sind kostenlos! Das Webinar findet per GoTo Webinar statt. Eine Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich.

Über den Safer Internet Day

Der Safer Internet Day (SID) ist ein weltweiter Aktionstag für mehr Online-Sicherheit und für ein besseres Internet für Kinder und Jugendliche. Er findet seit 2004 immer am Dienstag der zweiten Februarwoche statt und setzt jedes Jahr einen neuen thematischen Schwerpunkt im Rahmen des internationalen Mottos „Together for a better internet“. In Deutschland wird der Safer Internet Day von der EU-Initiative klicksafe koordiniert und stellt in diesem Jahr mit dem Motto „Keine Likes für Lügen! – Erkenne Extremismus, Populismus und Deepfakes im Netz“ die Aufklärung und Befähigung von Kindern und Jugendlichen zum Erkennen von Falschinformationen sowie populistischen und extremistischen Narrativen in den Mittelpunkt.

Neues Unterrichtsmodul zu „Desinformation und Hate Speech“ veröffentlicht

Mit der Veröffentlichung des Moduls „Desinformation und Hate Speech“ ergänzen wir unser Unterrichtmaterial „Hass in der Demokratie begegnen“ um neue, aktuelle Inhalte. Mit den sieben zusätzlichen Unterrichtseinheiten stehen Lehr- und pädagogischen Fachkräften vielfältige Materialien zur Verfügung, um den Zusammenhang von Desinformation und Hate Speech im Unterricht zu behandeln. Ziel ist es, Schüler*innen für das Problemfeld zu sensibilisieren und ihnen Strategien für den Umgang mit diesen Phänomenen an die Hand zu geben.

Neues Material Hass in der Demokratie begegnen Modul 5 - Desinformation und Hate Speech

Denn laut der JIM-Studie 2023 ist über die Hälfte aller Jugendlicher online bereits auf Desinformation gestoßen. Zwei von fünf Jugendlichen sind darüber hinaus im letzten Monat ebenfalls mit extremen politischen Ansichten, Verschwörungserzählungen oder Hassbotschaften konfrontiert worden. Deswegen müssen Jugendliche über Desinformation und Hate Speech aufgeklärt und dafür sensibilisiert werden, damit sie langfristig einen aktiven, positiven und mündigen Beitrag zu Online-Diskursen leisten können.

Entstanden ist das Modul in Zusammenarbeit mit „weitklick – Das Netzwerk für digitale Medien- und Meinungsbildung“ sowie in Kooperation mit dem Projekt „Firewall – Hass im Netz begegnen“ der Amadeu Antonio Stiftung. Bei der Konzeption des neuen Moduls wurden 2023 im Rahmen eines Schulworkshops am Dathe-Gymnasium Berlin die Bedarfe von Jugendlichen hierzu eruiert. Diese Erkenntnisse flossen direkt in die Erarbeitung der Themen und Methoden ein. Wir danken den beteiligten Schüler*innen, Lehrkräften und Pädagog*innen für die wertvolle Zusammenarbeit.

Unterrichtseinheit hier kostenlos herunterladen
Möchten Sie das Material als Druckversion kostenfrei bestellen? Melden Sie sich gern über unser Kontaktformular!

Das Unterrichtsmaterial im Überblick

  • Sieben Unterrichtseinheiten mit insgesamt 21 Arbeits- und Materialblättern 
  • Je ein Tafelbild zu jeder Unterrichtseinheit zur Orientierung und Wissenssicherung 
  • Methodisch vielfältige theoretische und selbstreflexive Inhalte sowie praktische Aufgaben; zum Beispiel: 
    • Einfacher Einstieg dank Eisbrecherspiele
    • Erarbeitung von Zusammenhängen zwischen Desinformation und Hate Speech durch Stationenlernen
    • Entwicklung eigener Haltungen durch die Placemat-Methode
    • Reflexion eigener Einstellungen durch interaktives Positionierungsspiel
    • Inspiration und Orientierung durch Tipps von Medienprofis in Kurzvideos

Zielgruppen und Einsatzmöglichkeiten

  • Flexibilität des Unterrichtsmaterials: Einsatz sowohl in Sek. I (ab der 7. Klassenstufe) und II
  • Unterschiedliche methodische Anregungen und Inhalte je nach Niveau der Klasse
  • Einzelne Unterrichtsthemen lassen sich mit einer Vielzahl von Unterrichtsfächern verbinden
  • Freie Verwendung und Bearbeitung durch freie Lizenzen (CC-BY-SA 4.0) und offene Dokumente (OER)

Über „Medien in die Schule“

Die Unterrichtsmaterialreihe „Medien in die Schule“ bereitet zahlreiche Inhalte und Themen der Medienbildung für den Lernraum Schule auf. Bereits seit 2013 stellt das Gemeinschaftsprojekt der FSM und Google Deutschland in Kooperation mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e.V. eine große Bandbreite an kostenfreien, offenen Unterrichtsmaterialien (OER) zu aktuellen medialen Erscheinungen zur Verfügung. Lehrerinnen und Lehrer finden dort für die Sekundarstufen I und II aufbereitete Informationen, Materialien und praxisnahe Methoden rund um Themen wie z.B. die sichere Internetnutzung, Smartphones, Machine Learning, Hate Speech oder „Fake News“. Medien in die Schule leistet mit seinen Angeboten einen aktiven und praktischen Beitrag zur Bildung in einer digitalen Welt. Die Inhalte erhielten bereits mehrere positive Bewertungen durch den Materialkompass Verbraucherbildung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes.

Leichte Sprache-Spezial: Unterrichtsmaterialien in leichter Sprache

Es ist die Aufgabe aller Lehrkräfte, ihre Schüler*innen so gut wie möglich auf ihrem Bildungsweg und bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Dazu zählt jedoch nicht nur die Schulung in den klassischen Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Englisch, sondern auch der Erwerb weiterer wichtiger Kompetenzen. Mit der rasanten Digitalisierung wird besonders die Medienbildung ein immer bedeutender Teil jener Kompetenzvermittlung.

Allerdings fällt es oft schwer, angemessene Unterrichtsmaterialien für junge Menschen mit Einschränkungen beim Lesen und Verstehen zu finden. Um allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu wichtigen Informationen und Bildungsinhalten zu ermöglichen, müssen deswegen Angebote in leicht verständlicher Sprache her. Diese fördern die Inklusion und Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen an der digitalen Gesellschaft und ermöglichen es ihnen, sich sicher und selbstbewusst im Internet zu bewegen. Deswegen haben wir für Sie kostenlose Arbeitsblätter, Erklärtexte, Broschüren und vieles mehr in Leichter Sprache zu den Themenfeldern Jugendmedienschutz und Medienpädagogik gesammelt, um die Förderung der digitalen Kompetenzen aller Schüler*innen zu erleichtern.

Definitionen und Erklärtexte rund um Medien

Für den Einstieg in die Medienbildung und die Aneignung erster Kenntnisse ist es oft hilfreich, zentrale Begriffe wie Medien, Digitalisierung oder soziale Netzwerke nachschlagen zu können. Die folgenden Angebote bieten kurze, leicht verständliche Begriffsdefinitionen und längere Erklärtexte in vereinfachter Sprache, um grundlegende Fragen wie „Was ist ein Computer?“ oder „Was kann ich mit einem Smartphone alles machen?“ zu klären.

Unterrichtseinheiten und -materialien zur Medienbildung

Umfangreichere Unterrichtseinheiten aus beispielsweise Arbeitsblättern, Broschüren, Stundenablaufplänen und Videos hingegen eignen sich, um Themen zu vertiefen und zu festigen. Die hier vorgestellten Materialien thematisieren verschiedenste medienpädagogische Schwerpunkte, wie Cybermobbing, Desinformation und Extremismus, aber auch die Rolle von Influencer*innen, Geschlechterstereotypen in Musikvideos und Datenschutz. Einige wurden fächer- oder altersspezifisch konzipiert, während andere frei in allen Klassenstufen und Fächern eingesetzt werden können, soweit gewünscht.

Für Eltern stellt Elternguide.online zusätzlich Texte in Leichter Sprache zu Verfügung. Sie sollen dabei helfen, den richtigen Medieneinsatz für verschiedene Altersklassen einzuschätzen und welche Angebote und Geräte sich für Kinder und Jugendliche in verschiedenen Lebensphasen eignen.

KIM-Studie 2022: 79 Prozent der Eltern wünschen sich Medienkompetenz als Schulfach

Seit 1999 führt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest regelmäßig die KIM-Studie durch, bei der er den Medienalltag von Kindern zwischen 6 und 13 Jahren erfasst. Im vergangen Jahr befragte der Verbund 1.219 Kinder aus ganz Deutschland, sowie deren primären Erziehungsberechtigten, zu ihrer Mediennutzung, Problemen und Gefahren beim Umgang mit Medien und zu Regelungen und Jugendschutzmaßnahmen innerhalb der Familie.

Dabei wurde auch ein Augenmerk auf den Einsatz von Medien in der Schule und zu Hause als Vorbereitung für den Unterricht, sowie auf die Bedeutung und Funktion von Bildungsinstitutionen für die medienpädagogische Entwicklung der Kinder gelegt. Obwohl sich mit 78% der Großteil der Eltern selbst ebenfalls in der Verantwortung für die Medienerziehung ihres Kindes sieht, schätzen sie die Schule mit 83% als noch wichtiger ein. 79% aller Erziehungsberechtigten fordern sogar Medienkompetenz als festes Schulfach.

Wie der derzeitige Medienalltag von Kindern aussieht

Mit der steigenden Prävalenz von Smartphones und Handys im Alltag wächst auch der Anteil an Kindern mit einem eigenen Mobiltelefon stetig. Mehr als die Hälfte aller 6- bis 13-Jährigen besitzen nun entweder ein eigenes Gerät oder haben freien Zugang zu einem. Zwar werden klassische Freizeitaktivitäten wie das Treffen mit Freunden, das Spielen draußen oder Sport treiben immer noch von den meisten Kindern bevorzugt, jedoch wird ein immer größerer Teil der eigenen Zeit Medien gewidmet. Mit 71% steht das Handy damit als Lieblingsgerät weit vorne, gefolgt vom Tablet (56%) und dem Fernseher (53%). Auch digitale Spiele und das Internet gehören zu den liebsten medialen Beschäftigungen von Kindern.

Da Smartphones portabel sind, folgen sie den Kindern im Gegensatz zu Konsolen oder Fernsehern überall hin: auch in die Schule. Mit 85% ist die Schule der zweithäufigste Ort, an den Kinder ihr Handy regelmäßig mitnehmen. Auch wenn das Handy während der Pausen bei den meisten Kinder in der Tasche bleibt, nutzt es jedes Fünfte täglich auf dem Schulweg. Selbst zu Hause sind Handys und Laptops für den Schulalltag wichtig. 58% aller Kinder sind Mitglied einer Klassengruppe, in der sie sich mit Klassenkameraden austauschen und über Hausaufgaben und Neuigkeiten informieren können. Solche Gruppen sind zentral für die Schullaufbahn geworden und werden sogar von der Mehrheit der Eltern als wichtig empfunden. Die Hälfte der Erziehungsberechtigen ist sogar der Meinung, es wäre ein Nachteil für ihr Kind, wenn es kein Teil einer solchen Gruppe wäre. Zudem nutzen viele Kinder das Internet für die Recherche von Themen für den Unterricht, das Schreiben von Texten, für Lernprogramme oder das Verfolgen von Nachrichten und Berichterstattungen.

Auch in der Schule selbst wird vermehrt auf digitale Strategien gesetzt: Rund ein Fünftel der Schulen ist mit Whiteboards oder Smartboards, Computern oder Laptops, Tablets und/oder Handys ausgestattet. In höheren Klassenstufen werden auch vermehrt Schulclouds und -messenger eingesetzt, auf die oft auch von zu Hause zugegriffen werden kann. Unter anderem werden diese Medien und Geräte für Recherche oder das Gucken von Filmen oder Videos für den Unterricht verwendet.

Materialien für den Unterricht: Herausforderungen und Risiken bei der Mediennutzung entgegenwirken

Laut der Studie darf knapp die Hälfte der Kinder das Internet selbstständig und ohne Aufsicht nutzen. Jedoch setzen nur wenige Haushalte auf technische Jugendmedienschutzangebote wie Filtersoftwares, Schutzprogramme oder spezielle Einstellungen und Benutzerkonten für Kinder. Ein Drittel der Eltern ist ebenso der Meinung, dass ein Programm allein ausreicht, um ihr Kind im Internet zu schützen und keine weitere persönliche Betreuung mehr nötig ist.

Das führt dazu, dass Kinder beim Spielen oder bei der Recherche im Internet auf Inhalte stoßen, die nicht für sie geeignet sind. 12% der Kinder sind schon einmal auf Inhalte gestoßen, für die sie entweder zu jung waren, die ihnen Angst eingeflößt haben oder ihnen unangenehm waren. Dazu zählen z.B. Gewaltdarstellungen, Pornografie, problematische Werbungen oder extremistische Inhalte. Vor allem Mädchen begegnen häufig sexualisierten und erotischen Inhalten, die für ihr Alter unangemessen sind.

Laut Eltern sollen Kinder im Schulfach Medienkompetenz deswegen lernen, Risiken und problematische Situationen im Internet zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Ein hilfreiches Angebot dazu ist das Modul „Jugendmedienschutz im Internet“ von Medien in die Schule, in dem Kinder mit möglichen Risikosituationen und ungeeigneten Inhalten vertraut gemacht werden.

Zu den Problemen im Internet zählen unter anderem Cybermobbing und Cybergrooming: So gab ein Viertel der Schüler*innen an, dass mindestens ein*e Mitschüler*in aus ihrer Klasse aus der Klassengruppe ausgeschlossen wurde, weil sie oder er zu unbeliebt sei. Weitere 6% sagten aus, dass sie im Internet schon einmal eine unangenehme Bekanntschaft gemacht haben, die Hälfte davon sogar mehrmals. Jedes zehnte Kind hatte auch im Freundeskreis schon einmal Probleme, weil peinliche Fotos oder Videos oder sogar Nacktfotos und Pornos verbreitet wurden. Auch Gerüchte über Personen im sozialen Umfeld beeinflussen Kinder stark negativ. Das Modul „Kommunikation im Netz“ soll bei der Orientierung im Internet und der Bewältigung schwerer Situationen helfen, sowie Kindern den korrekten Umgang mit anderem im Netz beibringen. Des Weiteren lehrt die Einheit „Hass in der Demokratie begegnen“, wie man Hate Speech und Extremismus im Internet erkennen kann und beleuchtet deren Konsequenzen, um Kinder vor negativen Nachrichten und Kommentaren und gewaltverherrlichenden und extremistischen Inhalten zu schützen.

Durch den vermehrten Gebrauch von digitalen Medien in der Schule stehen Lehrkräfte immer stärker in der Verantwortung für die mediale Sicherheit ihrer Schüler*innen. Angebote wie Medien in die Schule sollen Lehrer*innen und Pädagog*innen dabei unterstützen, die Medienbildung von Kindern in Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten zu fördern.

Weitere Unterrichtsmaterialien