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miniKIM-Studie 2023: Mediennutzung bei Kleinkindern seit 2020 gestiegen

Fast jeder Haushalt ist heutzutage mit WLAN, Smartphones, Laptops und Tablets voll technisch ausgestattet — aber wer darf was benutzen? In über der Hälfte aller Haushalte haben auch die Kleinsten zwischen zwei und fünf Jahren schon Zugang zu diesen Geräten. Im Schnitt erfolgt der erste Kontakt mit den meisten Medien bereits im Alter von drei Jahren.

Aber welche Medien nutzen Kleinkinder eigentlich und wissen Eltern, was sie tun können, um ihr Kind online zu schützen? Genau das hat die aktuelle miniKIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest erhoben. Darin wurde nach dem Medienkonsum von zwei- bis fünfjährigen Kindern und von deren Haupterzieher*innen gefragt, sowie nach dem Wissenstand der Erziehenden über digitale und pädagogische Medienerziehungsmaßnahmen. Die Ergebnisse zeigen, dass Medien bereits fester Bestandteil im Alltag vieler Kinder sind, Erziehende jedoch oft noch damit überfordert sind, deren Mediennutzung zu regulieren und zu unterstützen.

Mediennutzung hat bei Kleinkindern seit 2020 zugenommen

Obwohl klassische Freizeitaktivitäten wie draußen oder drinnen spielen und Malen, Zeichnen und Basteln noch immer überaus beliebt sind, wird auch immer häufiger zu verschiedenen Medienaktivitäten gegriffen. Vor allem Streamingdienste und Sprachassistenten, kostenlose Videoportale und Hörspiele, Hörbücher und Podcasts haben seit 2020 ein beträchtliches Wachstum verzeichnet. Das passt auch zu den Geräten, die Kinder am meisten nutzen: Kindercomputer und -laptops stehen auf Platz eins (22%), Tablets folgen dicht darauf auf Platz zwei (21%); Fernsehgeräte, Smart TVs und Streamingabonnements (13%), CD-, MP3- und Kassetten-Player oder iPods (12%) und Handys bzw. Smartphones (10%) besetzen den Rest der Top fünf. Mit dem Alter wächst das Medienrepertoire der Kinder zudem weiter und bestimmte Geräte werden intensiver genutzt. Allerdings werden einige Medien trotzdem mehrheitlich nicht genutzt, wie z. B. Computer und Laptops (72%), Sprachassistenten (59%) und digitale Spiele (58%).

Während Mädchen lieber fernsehen, durch Mediatheken stöbern und Musik und Hörspiele hören, schauen Jungen eher Videos und Sendungen auf kostenfreien Videoportalen. Bei beiden stehen allerdings Bücher und Hörbücher an erster Stelle. Über 90 Prozent aller Kinder bekommen mindestens einmal pro Woche vorgelesen oder schauen sich selbst Bilderbücher an und rund die Hälfte nutzt im selben Zeitraum ein Bewegtbildangebot. Rund 40 Minuten pro Tag werden jeweils mit Büchern und Hörbüchern verbracht, gefolgt von kostenpflichtigen Streamingdiensten (23 Minuten), Radio und kostenfreien Videoportalen (jeweils 18 Minuten) und dem klassischen Fernsehen (15 Minuten). Dahingegen nutzen nur unter einem Fünftel jede Woche Handys und Smartphones, Computer und Laptops und digitale Spiele. Ausschließlich Tablets werden mit einem Drittel häufiger genutzt, vor allem von Mädchen.

Erziehende erkennen Gefahren, wissen aber wenig über Schutzmöglichkeiten

Im Kleinkindalter sollten Erziehende Medien immer gemeinsam mit ihrem Kind nutzen. Laut der Befragung tut dies die Mehrheit auch. Nur beim Hören von Hörspielen, Hörbüchern und Podcasts lassen ein Großteil der Eltern ihre Kinder unbeaufsichtigt. Doch auch in diesem Fall wird der Medieninhalt oft vorher von den Eltern geprüft: 83 Prozent geben an, Inhalte nach ihrer persönlichen Kenntnis darüber und ihrer positiven Einschätzung davon auszuwählen. Ebenso richten sich viele Eltern nach Altersempfehlungen (69%), ob der Inhalt vom Hersteller als kindgerecht vermarktet wird (62%) und nach den Empfehlungen anderer Eltern (52%). Jedoch werden Inhalte häufig auch ausgewählt, einfach weil das Kind es sich gewünscht hat (71%) oder es bereits einmal gesehen hat (57%) — auch wenn der Inhalt davor nicht unbedingt von einem Elternteil konkret nochmal geprüft wurde. Dadurch kann es dazu kommen, dass Kinder auf jugendgefährdende Inhalte stoßen. Ein Viertel aller Kinder ist im Fernsehen, auf Streamingseiten oder in Videoportalen bereits auf ungeeignete, angsterregende oder unangenehme Inhalte gestoßen, deutlich mehr als noch im Jahr 2020. Dies kann unter anderem auch dann passieren, wenn Kinder bei ihren Eltern, älteren Geschwistern oder anderen mitgucken, selbst wenn die Serie oder das Video nicht für ihre Altersklasse gedacht ist.

Jedoch haben viele Haushalte feste Nutzungsregeln für Medien eingeführt, um strenger darauf achten zu können, welche Inhalte ihr Kind in welchem Maße konsumiert. Für kostenpflichtige Streamingdienste haben drei Viertel bereits Regeln aufgesetzt, für Tablets, PCs und Laptops sowie für das klassische Fernsehen sind es etwas weniger. Auch für kostenfreie Videoportale und Onlineangebote der Fernsehsender herrschen in den meisten Familien bestimmte Regeln über Nutzungsdauer, -tage und -zwecke. Nutzungsregeln als erzieherisches Mittel sind den meisten also schon bekannt und werden auch — zumindest für bestimmte Dienste und Geräte — durchgesetzt.

Etwas anders sieht es jedoch bei technischen Schutzmaßnahmen aus. Obwohl die Mehrheit der Eltern der Aussage zustimmt, das Internet würde viele Gefahren für ihre Kinder bergen und dass Erziehende in der Verantwortung stehen, ihren Kindern wichtige Medienkompetenzen zu vermitteln, fehlt ihnen in der Praxis oft selbst das nötige Wissen. So finden 87 Prozent, ihr Kind sollte nur mit einem Filter- oder Schutzprogramm im Internet surfen dürfen, allerdings kennt die Hälfte keine Filterprogramme und weiß auch nicht, wo sie mehr darüber herausfinden kann. Andere glauben, Filterprogramme seien nur nötig, wenn das Kind allein im Internet ist (66%) oder dass Filterprogramme ihnen die Arbeit abnehmen, die Nutzung ihres Kindes zu kontrollieren (29%). Darüber hinaus halten einige Filterprogramme auch für zu teuer (26%) und zu kompliziert (21%).

Deswegen fordert auch die Hälfte der Eltern mehr Unterstützung durch den Kindergarten, die Krippe oder später durch die Schule bei der Medienerziehung ihres Kindes. Die Kita ist für sie nach anderen Eltern die zweitwichtigste Informationsquelle zu dem Thema „Kinder und Medien“. Sie wünschen sich zudem mehr Informations- und Beratungsangebote. Einige Materialien, die dabei helfen können, Eltern über Medienerziehung und Schutz im Internet aufzuklären und Kindern beizubringen, wie sie Medien sicher nutzen können, finden Sie hier:

Virtueller Elternabend: FSK-Freigaben für Filme und Serien – Jugendschutz einfach erklärt | 16.09.2024

Elternguide.online veranstaltet einen kostenlosen virtuellen Elternabend am 16.09.2024 zum Thema „FSK-Freigaben für Filme und Serien – Jugendschutz einfach erklärt“ mit Michael Schmidt (Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK) und Peter Kaun (Sprecher der Film- und Videowirtschaft bei der FSK). Er findet von 17:00 bis 18:00 Uhr statt.

Über den virtuellen Elternabend

Jede Woche laufen neue Filme im Kino an, Serien feiern auf Streamingseiten Premiere oder erscheinen erstmals auf DVD oder Blu-ray. So werden den meisten schon einmal die Alterskennzeichen der FSK begegnet sein: ab 0, 6, 12, 16 und 18 Jahren. Doch welche Rolle spielen Altersfreigaben für Kinder, Jugendliche und Eltern? Wie kommen sie zustande und was bedeuten sie genau?

Beim virtuellen Elternabend wird die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), die im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden die gesetzlichen Altersfreigaben für u.a. Filme, Serien und Trailer festlegt, ihre Arbeit vorstellen. Es wird ein Einblick in das Prüfverfahren der FSK geboten und erläutert welche Kriterien sich konkret hinter welcher Altersfreigabe verstecken. Auch werden die Medienkompetenz- und Teilhabeprojekte für Kinder und Jugendliche sowie das Informations- und Orientierungsangebot der FSK präsentiert werden.

Zur Anmeldung auf Elternguide.online

Moderation: FSM e.V.

Hinweis: Der virtuelle Elternabend findet per Zoom statt. Er ist kostenlos und offen für alle Interessierten! Dieser Elternabend wird weder gestreamt noch aufgezeichnet. Eine Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich.

Leichte Sprache-Spezial: Unterrichtsmaterialien in leichter Sprache

Es ist die Aufgabe aller Lehrkräfte, ihre Schüler*innen so gut wie möglich auf ihrem Bildungsweg und bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Dazu zählt jedoch nicht nur die Schulung in den klassischen Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Englisch, sondern auch der Erwerb weiterer wichtiger Kompetenzen. Mit der rasanten Digitalisierung wird besonders die Medienbildung ein immer bedeutender Teil jener Kompetenzvermittlung.

Allerdings fällt es oft schwer, angemessene Unterrichtsmaterialien für junge Menschen mit Einschränkungen beim Lesen und Verstehen zu finden. Um allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu wichtigen Informationen und Bildungsinhalten zu ermöglichen, müssen deswegen Angebote in leicht verständlicher Sprache her. Diese fördern die Inklusion und Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen an der digitalen Gesellschaft und ermöglichen es ihnen, sich sicher und selbstbewusst im Internet zu bewegen. Deswegen haben wir für Sie kostenlose Arbeitsblätter, Erklärtexte, Broschüren und vieles mehr in Leichter Sprache zu den Themenfeldern Jugendmedienschutz und Medienpädagogik gesammelt, um die Förderung der digitalen Kompetenzen aller Schüler*innen zu erleichtern.

Definitionen und Erklärtexte rund um Medien

Für den Einstieg in die Medienbildung und die Aneignung erster Kenntnisse ist es oft hilfreich, zentrale Begriffe wie Medien, Digitalisierung oder soziale Netzwerke nachschlagen zu können. Die folgenden Angebote bieten kurze, leicht verständliche Begriffsdefinitionen und längere Erklärtexte in vereinfachter Sprache, um grundlegende Fragen wie „Was ist ein Computer?“ oder „Was kann ich mit einem Smartphone alles machen?“ zu klären.

Unterrichtseinheiten und -materialien zur Medienbildung

Umfangreichere Unterrichtseinheiten aus beispielsweise Arbeitsblättern, Broschüren, Stundenablaufplänen und Videos hingegen eignen sich, um Themen zu vertiefen und zu festigen. Die hier vorgestellten Materialien thematisieren verschiedenste medienpädagogische Schwerpunkte, wie Cybermobbing, Desinformation und Extremismus, aber auch die Rolle von Influencer*innen, Geschlechterstereotypen in Musikvideos und Datenschutz. Einige wurden fächer- oder altersspezifisch konzipiert, während andere frei in allen Klassenstufen und Fächern eingesetzt werden können, soweit gewünscht.

Für Eltern stellt Elternguide.online zusätzlich Texte in Leichter Sprache zu Verfügung. Sie sollen dabei helfen, den richtigen Medieneinsatz für verschiedene Altersklassen einzuschätzen und welche Angebote und Geräte sich für Kinder und Jugendliche in verschiedenen Lebensphasen eignen.

IPSOS-Studie 2023: Digitale Kompetenzen aus der Sicht der Eltern

Angetrieben durch die Coronapandemie ist die Digitalisierung im Bildungswesen in den vergangenen Jahren rapide fortgeschritten. Diese Entwicklung stellt eine Herausforderung für Schulen, Lehrkräfte sowie Eltern dar, die sich an neue digitale Tools gewöhnen und Online-Risikofaktoren entgegenstehen müssen. Wie auch im Vorjahr hat sich die IPSOS-Studie, die erneut von der Vodafone Group Foundation in Auftrag gegeben wurde, mit dieser Problematik beschäftigt. Diesmal liegt der Fokus der Studie jedoch nicht auf den Lehrkräften, sondern auf dem Eindruck der Eltern von der Digitalisierung an Schulen. Die Studie gibt Lehrkräften und Bildungseinrichtungen wichtige Einblicke in die Sichtweise und Wünsche der Eltern bezüglich digitaler Kompetenzen, die es zu beachten und umzusetzen gilt.

Wie Eltern digitale Kompetenzen einschätzen

In der diesjährigen IPSOS-Studie wurden 1.000 Eltern aus Deutschland darum gebeten, ihre eigenen digitalen Kompetenzen einzuschätzen. 29% der deutschen Eltern würden sich selbst als „Expert*innen“ im Umgang mit digitalen Technologien einschätzen, während ein Drittel sich zumindest als „fortgeschritten“ in diesem Bereich betrachtet. Die übrigen 36% haben hingegen weniger vertrauen in ihre Kenntnisse und würden sich eher als „Anfänger*innen“ bezeichnen. Damit verzeichnet Deutschland zwar etwas mehr „Expert*innen“ als der europäische Durchschnitt (27%), steht ihm jedoch deutlich an „Fortgeschrittenen“ (43%) nach.

Ungeachtet der eigenen digitalen Kompetenzen sehen alle Eltern die digitale Bildung ihres Kindes als wichtig an. Vor allem halten sie es für unerlässlich, dass Kinder sich wichtige Kompetenzen für das digitale Zeitalter wie die „21st Century Skills“ aus der vorherigen Studie aneignen. Fast 80% der Befragten versprechen sich von einer hochwertigen digitalen Bildung auch einen Zugang zu besseren Informationsquellen und den leichteren Umgang mit interaktiven Lernmethoden. Besonders für das spätere Berufsleben halten 79% der Eltern digitale Kompetenzen für wichtig. Gleichzeitig sind sie sich auch den Risiken bewusst, die digitale Technologien bergen können. So fürchten Eltern insbesondere die Schwächung traditioneller Kompetenzen wie Handschrift oder das Lesen von Büchern, aber auch gesundheitliche Folgen durch die Abhängigkeit von digitalen Geräten und Cybermobbing.

Forderungen an Schulen und den Staat

Die meisten Eltern haben eine klare Vorstellung davon, wie und welche digitale Kompetenzen vermittelt werden müssen und welche Ressourcen für eine gute digitale Bildung notwendig sind. Die überwiegende Mehrheit fordert eine fächerübergreifende Aufarbeitung von Themen rund um die Digitalisierung und findet, dass die Aneignung digitaler Kompetenzen ein zentrales Lernziel an Schulen sein sollte. Dabei sollten jedoch soziale Kompetenzen wie kritisches Denken, Empathie und Resilienz nicht vernachlässigt werden. Auch sollten ihnen zufolge europaweit einheitliche Standards für die digitale Bildung an Schulen eingeführt werden.

Zudem sollen schon früh digitale Technologien im Unterricht eingesetzt werden. Fast die Hälfte der Eltern wünscht sich die Einbindung von Technik in den Lehrplan ab einem Alter von 8 bis 10 Jahren. Dazu soll vor allem der Staat finanzielle Mittel liefern, um die technische Ausstattung an Schulen weiter auszubauen. Der Werkzeugkasten „Lernen & Lehren mit Apps“ sammelt stetig neue Tools für Lehrkräfte, um dieser Bitte Folge zu leisten. Tablets, Laptops und Smartphones gehören zu den derzeit am weitesten verbreiteten Geräten an Schulen und die Tools sind dazu passend auf immer mindestens einem dieser Geräte verfügbar. Mit ihnen lässt sich sowohl der Präsenz- wie auch Onlineunterricht interaktiv und abwechslungsreich gestalten.

Nicht zuletzt befürchtet ein Fünftel der Eltern, dass Lehrkräfte nicht ausreichend dafür ausgebildet sind, um digitale Kompetenzen zu vermitteln. Sie fordern deswegen mehr Fortbildungen, Beratungen und Hilfen für Lehrer*innen und Pädagog*innen. Das Blended-Learning-Fortbildungsprogramm weitklick stellt eine solche Option für Lehrkräfte dar und ermöglicht es ihnen, sich selbstständig und im eigenen Tempo Inhalte zu erschließen. Der Fokus der Online-Weiterbildung liegt dabei auf dem Thema Desinformation und schneidet weitere Bereiche wie Hate Speech und Meinungsbildung an. Die Unterrichtseinheiten von Medien in die Schule bieten eine zusätzliche Hilfestellung für Lehrende. Deren Module und vielfältige Arbeitsmaterialien können entweder direkt im Unterricht umgesetzt werden oder der Orientierung und Inspiration für eigene Lehrinhalte dienen. Die Einheit „Jugendliche online. Zwischen Information, Interaktion und Unterhaltung“ ist ein guter Einstieg in relevante Themen der Onlinenutzung wie den sicheren Umgang mit persönlichen Daten, Kommunikation im Netz, sicheres Suchen und Unterhaltung.

KIM-Studie 2022: 79 Prozent der Eltern wünschen sich Medienkompetenz als Schulfach

Seit 1999 führt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest regelmäßig die KIM-Studie durch, bei der er den Medienalltag von Kindern zwischen 6 und 13 Jahren erfasst. Im vergangen Jahr befragte der Verbund 1.219 Kinder aus ganz Deutschland, sowie deren primären Erziehungsberechtigten, zu ihrer Mediennutzung, Problemen und Gefahren beim Umgang mit Medien und zu Regelungen und Jugendschutzmaßnahmen innerhalb der Familie.

Dabei wurde auch ein Augenmerk auf den Einsatz von Medien in der Schule und zu Hause als Vorbereitung für den Unterricht, sowie auf die Bedeutung und Funktion von Bildungsinstitutionen für die medienpädagogische Entwicklung der Kinder gelegt. Obwohl sich mit 78% der Großteil der Eltern selbst ebenfalls in der Verantwortung für die Medienerziehung ihres Kindes sieht, schätzen sie die Schule mit 83% als noch wichtiger ein. 79% aller Erziehungsberechtigten fordern sogar Medienkompetenz als festes Schulfach.

Wie der derzeitige Medienalltag von Kindern aussieht

Mit der steigenden Prävalenz von Smartphones und Handys im Alltag wächst auch der Anteil an Kindern mit einem eigenen Mobiltelefon stetig. Mehr als die Hälfte aller 6- bis 13-Jährigen besitzen nun entweder ein eigenes Gerät oder haben freien Zugang zu einem. Zwar werden klassische Freizeitaktivitäten wie das Treffen mit Freunden, das Spielen draußen oder Sport treiben immer noch von den meisten Kindern bevorzugt, jedoch wird ein immer größerer Teil der eigenen Zeit Medien gewidmet. Mit 71% steht das Handy damit als Lieblingsgerät weit vorne, gefolgt vom Tablet (56%) und dem Fernseher (53%). Auch digitale Spiele und das Internet gehören zu den liebsten medialen Beschäftigungen von Kindern.

Da Smartphones portabel sind, folgen sie den Kindern im Gegensatz zu Konsolen oder Fernsehern überall hin: auch in die Schule. Mit 85% ist die Schule der zweithäufigste Ort, an den Kinder ihr Handy regelmäßig mitnehmen. Auch wenn das Handy während der Pausen bei den meisten Kinder in der Tasche bleibt, nutzt es jedes Fünfte täglich auf dem Schulweg. Selbst zu Hause sind Handys und Laptops für den Schulalltag wichtig. 58% aller Kinder sind Mitglied einer Klassengruppe, in der sie sich mit Klassenkameraden austauschen und über Hausaufgaben und Neuigkeiten informieren können. Solche Gruppen sind zentral für die Schullaufbahn geworden und werden sogar von der Mehrheit der Eltern als wichtig empfunden. Die Hälfte der Erziehungsberechtigen ist sogar der Meinung, es wäre ein Nachteil für ihr Kind, wenn es kein Teil einer solchen Gruppe wäre. Zudem nutzen viele Kinder das Internet für die Recherche von Themen für den Unterricht, das Schreiben von Texten, für Lernprogramme oder das Verfolgen von Nachrichten und Berichterstattungen.

Auch in der Schule selbst wird vermehrt auf digitale Strategien gesetzt: Rund ein Fünftel der Schulen ist mit Whiteboards oder Smartboards, Computern oder Laptops, Tablets und/oder Handys ausgestattet. In höheren Klassenstufen werden auch vermehrt Schulclouds und -messenger eingesetzt, auf die oft auch von zu Hause zugegriffen werden kann. Unter anderem werden diese Medien und Geräte für Recherche oder das Gucken von Filmen oder Videos für den Unterricht verwendet.

Materialien für den Unterricht: Herausforderungen und Risiken bei der Mediennutzung entgegenwirken

Laut der Studie darf knapp die Hälfte der Kinder das Internet selbstständig und ohne Aufsicht nutzen. Jedoch setzen nur wenige Haushalte auf technische Jugendmedienschutzangebote wie Filtersoftwares, Schutzprogramme oder spezielle Einstellungen und Benutzerkonten für Kinder. Ein Drittel der Eltern ist ebenso der Meinung, dass ein Programm allein ausreicht, um ihr Kind im Internet zu schützen und keine weitere persönliche Betreuung mehr nötig ist.

Das führt dazu, dass Kinder beim Spielen oder bei der Recherche im Internet auf Inhalte stoßen, die nicht für sie geeignet sind. 12% der Kinder sind schon einmal auf Inhalte gestoßen, für die sie entweder zu jung waren, die ihnen Angst eingeflößt haben oder ihnen unangenehm waren. Dazu zählen z.B. Gewaltdarstellungen, Pornografie, problematische Werbungen oder extremistische Inhalte. Vor allem Mädchen begegnen häufig sexualisierten und erotischen Inhalten, die für ihr Alter unangemessen sind.

Laut Eltern sollen Kinder im Schulfach Medienkompetenz deswegen lernen, Risiken und problematische Situationen im Internet zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Ein hilfreiches Angebot dazu ist das Modul „Jugendmedienschutz im Internet“ von Medien in die Schule, in dem Kinder mit möglichen Risikosituationen und ungeeigneten Inhalten vertraut gemacht werden.

Zu den Problemen im Internet zählen unter anderem Cybermobbing und Cybergrooming: So gab ein Viertel der Schüler*innen an, dass mindestens ein*e Mitschüler*in aus ihrer Klasse aus der Klassengruppe ausgeschlossen wurde, weil sie oder er zu unbeliebt sei. Weitere 6% sagten aus, dass sie im Internet schon einmal eine unangenehme Bekanntschaft gemacht haben, die Hälfte davon sogar mehrmals. Jedes zehnte Kind hatte auch im Freundeskreis schon einmal Probleme, weil peinliche Fotos oder Videos oder sogar Nacktfotos und Pornos verbreitet wurden. Auch Gerüchte über Personen im sozialen Umfeld beeinflussen Kinder stark negativ. Das Modul „Kommunikation im Netz“ soll bei der Orientierung im Internet und der Bewältigung schwerer Situationen helfen, sowie Kindern den korrekten Umgang mit anderem im Netz beibringen. Des Weiteren lehrt die Einheit „Hass in der Demokratie begegnen“, wie man Hate Speech und Extremismus im Internet erkennen kann und beleuchtet deren Konsequenzen, um Kinder vor negativen Nachrichten und Kommentaren und gewaltverherrlichenden und extremistischen Inhalten zu schützen.

Durch den vermehrten Gebrauch von digitalen Medien in der Schule stehen Lehrkräfte immer stärker in der Verantwortung für die mediale Sicherheit ihrer Schüler*innen. Angebote wie Medien in die Schule sollen Lehrer*innen und Pädagog*innen dabei unterstützen, die Medienbildung von Kindern in Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten zu fördern.

Weitere Unterrichtsmaterialien 

Medienkompetenz gemeinsam fördern: Neue Materialien für Elternarbeit von weitklick

Im digitalen Zeitalter stellt Desinformation eine wachsende Herausforderung dar — sowohl in der Schule als auch zu Hause. In einer aktuellen Umfrage gaben 57 Prozent der Eltern in Deutschland an, besorgt zu sein, dass ihre Kinder im Internet mit Desinformation konfrontiert wird. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern ist deswegen von entscheidender Bedeutung, um die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu stärken.

Anlaufstellen, Materialien und Tipps: Neue Hilfsmittel für die Elternarbeit

Das Blended-Learning-Fortbildungsprogramm weitklick unterstützt Lehr- und pädagogische Fachkräfte deswegen nicht nur dabei, das Thema Desinformation für den Unterricht aufzubereiten, sondern bietet ab sofort auch umfangreiche Ressourcen für eine engere medienpädagogische Elternarbeit an. Dazu gehören eine bundesweite Liste von Anlaufstellen, ein Materialpaket zur Durchführung eines Elternabends zum Thema Desinformation und ein Blogbeitrag von Dr. Sophie Reimers (Eltern-Medien-Beratung bei der AKJS Brandenburg) mit konkreten Praxistipps für Lehrkräfte zur Elternarbeit.

Durch die Übersicht an Anlaufstellen und medienpädagogischen Projekten sollen Lehrkräfte leichter Zugang zu professioneller Unterstützung und Expert*innen finden. Diese können unter anderem als Referent*innen zu Elternabenden eingeladen werden. Weiterhin stellt das Materialpaket alles bereit, was für einen solchen Elternabend benötigt wird, von einer Präsentation über einem Ablaufplan, Skript, Elternbrief, Handout und bis hin zu einer kurzen Videoreihe. Der Blogbeitrag „Mit den Eltern gemeinsam gegen Desinformation – 8 Tipps wie Sie Eltern erreichen“ bietet darüber hinaus einen Überblick über wichtige Punkte, die bei der Kommunikation mit Eltern für eine reibungslose Zusammenarbeit beachtet werden müssen. Des Weiteren können auch die bereits bestehenden Materialien von weitklick nach der Zielgruppe „Eltern“ gefiltert werden. All diese Ressourcen sollen gemeinsam zu einer produktiven und wirksamen Elternarbeit beitragen.

IPSOS-Befragung: Lehrkräfte und Digitalisierung — wie digitale Tools den Unterricht fördern sollen

Ob nun Zuhause, in der Schule oder bei der Arbeit: Digitalisierung wird in Deutschland zu einem immer wichtigeren Thema. Noch hängt Deutschland dabei jedoch hinter vielen anderen EU-Mitgliedstaaten hinterher. Besonders betroffen ist dabei unter anderem das Bildungswesen: laut der IPSOS-Befragung der Vodafone Stiftung sind über die Hälfte der deutschen Lehrkräfte der Meinung, ihre Schulen seien nicht ausreichend technisch ausgestattet, um ihren Schüler*innen nötige digitale Kompetenzen zu vermitteln. Grundlegende IT-Infrastrukturen, wie stabiles Internet oder genügend Endgeräte für die ganze Klasse, seien laut den Lehrkräften an 86 Prozent der Schulen schlichtweg nicht gegeben.

Mehr Unterstützung für Lehrkräfte: Fortbildungen & Co.

Doch allein der Ausbau der IT-Infrastrukturen reicht nicht aus: Lehrer*innen benötigen auch Unterstützung in Form von Fortbildungen, Webinaren und Workshops, um Potenziale wie Risiken digitaler Medien zu kennen, diese zu vermitteln und digitale Unterrichtsmethoden zielbringend einzusetzen. Dieser Meinung sind auch die Lehrkräfte selbst, von denen 51 Prozent Fort- und Ausbildungen als hilfreichste Maßnahme einschätzen. So sollten Lehrer*innen zwar darin geschult werden, wie sie Schüler*innen für den Umgang mit Desinformation online befähigen können und dabei nicht vergessen, deren Lese- und Schreibkompetenzen zu stärken, aber auch den Nutzen von Technik zum Zugang zu besseren Informationsquellen, zur Binnendifferenzierung im Unterricht und zur Unterstützung von Schüler*innen mit besonderem Förderbedarf erkennen. Bisher geben nämlich nur 5 Prozent aller Lehrer*innen an, technische Mittel zur Verbesserung des Unterrichts selbstsicher einsetzen zu können — ein Wert, den es zu heben gilt.

Online-Fortbildung mit weitklick

Ein Beispiel für ein Bildungsprogramm für Lehrer*innen ist das Projekt weitklick. Das Blended-Learning-Fortbildungsprogramm unterstützt Lehrende dabei, das Thema Desinformation online nachhaltig in den Unterricht zu integrieren, um die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen rund um die Mediennutzung und Meinungsbildung im Internet sowie Falschinformationen und Verschwörungsmythen online zu stärken. In Onlinekursen können sich Lehrkräfte selbstständig im eigenen Tempo Inhalte und Kompetenzen aneignen und ihr Wissen vertiefen. Außerdem bietet weitklick regelmäßig Webinare und Fortbildungen mit Expert*innen aus Journalismus, Wissenschaft und Bildungspraxis an. Es besteht zudem die Möglichkeit sich ein Zertifikat für absolvierte Onlinekurse und die Teilnahme an Webinaren oder Fortbildungen ausstellen zu lassen.

Methoden und Materialien für einen zeitgemäßen Unterricht

Es ist wichtig, dass neben den rein technischen Kompetenzen wie dem Suchen von Informationen im Internet oder der Bedienung verschiedener Tools auch die sozialen und fachlich-methodischen Kompetenzen der Schüler*innen gefördert werden, denn diese werden laut der Studie im Schulkontext in Deutschland in rund der Hälfte aller Schulen vernachlässigt. Als Leitfaden können sich Lehrkräfte an den sogenannten „21st Century Skills“ orientieren, die als Rahmenkompetenzen für Schüler*innen des 21. Jahrhunderts gelten. Dazu zählen Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken, Kreativität, digitale Kompetenzen, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, selbstorganisiertes Lernen, Resilienz und Empathie. Auch wenn Skills wie kritisches Denken oder selbstorganisiertes Lernen von Lehrenden als besonders wichtig eingeschätzt werden, erkennen Dreiviertel der deutschen Lehrkräfte auch die Bedeutung von emotionalen Skills wie Empathie. Denn nur in Kombination tragen die „21st Century Skills“ nicht nur zu einem angenehmeren Arbeitsklima im Klassenraum bei, sondern ermöglichen es Schüler*innen auch künftig sowohl offline als auch online selbständig und verantwortungsvoll zu handeln und Inhalte kritisch zu hinterfragen.

Digitale Tools ermöglichen es Lehrkräften idealerweise nicht nur, ihren Unterricht abwechslungsreicher und effizienter zu gestalten, sondern unterstützen sie auch dabei, dass ihre Schüler*innen sich kompetent und selbstbestimmt in ihren Onlinewelten bewegen und sie für die Zukunft und den Eintritt in die Arbeitswelt vorbereitet werden.

Digitale Tools und Unterrichtsmaterialien für Lehrende

Um Lehrkräften bei der Orientierung und Umsetzung im Schulunterricht zu helfen, bietet Medien in die Schule umfassende OER-Materialien für die Unterstützung:

  • Der Werkzeugkasten „Lernen & Lehren mit Apps“ stellt fortlaufend geeignete und geprüfte Anwendungen sowie Tools für den digitalen Unterricht vor. Dort finden Sie eine Sammlung sinnvoller, mobiloptimierter Apps und digitaler Tools für digitales Lernen und Lehren im Präsenz-, Distanz- und Hybridunterricht.
  • Die Unterrichtseinheit „Jugendliche online. Zwischen Information, Interaktion und Unterhaltung“ befasst sich mit den relevanten Themen der Onlinenutzung und bietet Ihnen vielfältige Materialien und abwechslungsreiche Lehrmethoden, um Jugendliche darin zu unterstützen, sich kompetent und selbstbestimmt in ihren Onlinewelten zu bewegen. Schwerpunktthemen persönliche Daten, Kommunikation im Netz, sicheres Suchen und Unterhaltung.

Webinar: Mit Fakten gegen Fakes – Elternarbeit zu Desinformation

weitklick – Das Netzwerk für digitale Medien- und Meinungsbildung veranstaltet ein kostenloses Webinar am 11.10.2022 zum Thema „Mit Fakten gegen Fakes – Elternarbeit zu Desinformation“ mit Dr. Sophie Reimers (AKJS Brandenburg) und Lidia de Reese (FSM e.V.). Es findet von 16:00 bis 17:30 Uhr statt.

Über das Webinar

Die Medienbildung von Kindern und Jugendlichen kann besonders wirkungsvoll gelingen, wenn sie Heranwachsende direkt erreicht, und zwar in der Familie, in der Schule sowie an außerschulischen Lernorten. Damit Lehrkräfte und Eltern gleichermaßen aktiv werden und an einem Strang ziehen, bedarf es guter Kommunikation und Unterstützungsangebote für die Medienbildung im Unterricht sowie die Medienerziehung in der Familie. Das gilt vor allem, wenn es um schwierige Themen wie Desinformation online geht, die die gesamte Gesellschaft vor Herausforderungen stellt.

Aber wie können Lehrkräfte und Eltern hier gut zusammenarbeiten und welche passenden medienpädagogischen Angebote gibt es? Dr. Sophie Reimers (Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V.) stellt Gelingensbedingungen für die medienpädagogische Elternarbeit vor und gibt praktische Tipps zum Austausch über Desinformation. Lidia de Reese (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V.) gibt anschließend einen Überblick über das kürzlich veröffentlichte kostenfreie Materialpaket „Mit Fakten gegen Fakes“. Damit können Lehrkräfte einen Elternabend zum Thema Desinformation durchführen. Außerdem gibt es genug Raum für praktische Übungen, Austausch und Ihre Fragen. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Zur Anmeldung auf weitklick.de

Moderation: Caroline Boos, FSM e.V.

Hinweis: Das Webinar findet per Zoom statt. Es ist kostenlos und offen für alle Interessierten! Dieses Webinar wird weder gestreamt noch aufgezeichnet. Eine Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich.

Über die Dozentinnen

Dr. Sophie Reimers ist seit 2021 Fachreferentin für Jugendmedienschutz bei der Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e. V. Sie hat einen Phd in Kultur- und Sozialanthropologie und war an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt Oder im Bereich Bildung, Migration und Familie in Forschung und Lehre tätig. Seit 2016 arbeitete sie im kulturellen Bereich und absolvierte 2019 eine Ausbildung als systemischer Coach.

Lidia de Reese, Medienpädagogin (M.A.), ist seit 2017 bei der FSM als Referentin für Medienbildung und Social Media Managerin tätig. Ihre Schwerpunkte sind medienpädagogische Bildungsmaterialien, Projekte und Tools zur Unterstützung von Familien, pädagogischen Fachkräften und Heranwachsenden im Hinblick auf sichere und positive Onlineerfahrungen für Kinder und Jugendliche. Zuvor war sie als Medienpädagogin bei der Kindersuchmaschine fragFINN.de sowie im Projekt- und Bildungsmanagement beim medienpädagogischen Fort- und Weiterbildungsinstitut BITS 21 im fjs e.V. tätig.