App steht für Applikationen und bedeutet eigenständige Software, die auf mobilen Endgeräten installiert werden kann. Die folgenden Punkte leisten Unterstützung bei der Orientierung im weiten Bereich der Apps und des mobilen Lernens.

Inhaltliche Voraussetzungen

Der Einsatz von Apps und die Nutzung von Tablets und Smartphones verändert die Didaktik im Klassenraum – weg von der Zentrierung auf Whiteboard oder Tafel hin zu individualisiertem Lernen. Dabei ändert sich auch die Rolle des Lehrers vom zentralen Ansprechpartner zum Begleiter.

Vor dem Einsatz von Apps im schulischen Kontext sollte die Schulordnung bezüglich des Gebrauchs von mobilen Endgeräten überprüft und ggf. geändert werden. Darüber hinaus sind inhaltliche Absprachen mit den Schüler_innen zu treffen: Wie darf das Internet genutzt werden, welche Geräte und welche Apps sind erlaubt? Auch sollte über kollaboratives Arbeiten in der Gruppe gesprochen werden. Mehr Hinweise dazu gibt der “Werkzeugkasten kollaboratives Lernen im Internet”.

Verbunden mit der neuen Rolle von Lehrer_innen als Lernbegleiter_innen ist eine sich wandelnde Rolle der Schüler_innen. Ihre Vorkenntnisse und ihr Wissen können produktiv in den Unterricht eingebunden werden – gerade auf dem Gebiet der sich stetig verändernden technischen und inhaltlichen Nutzungsszenarien.

Technische Voraussetzungen

Zur Arbeit mit Apps im Unterricht bedarf es einiger Voraussetzungen: Der Klassenraum muss bzw. sollte für diverse Anwendungsszenarien über WLAN verfügen. Dabei müssen Zugänge zum Web und deren Beschränkungen, z. B. durch Firewalls und Jugendmedienschutzfilter, bedacht und geprüft werden.

Eine Kaufhilfe bezüglich der Geräte selbst, d. h., ob Android, iOS, Windows Phone oder etwas ganz anderes erworben werden sollte, kann hier nicht gegeben werden, zu vielfältig sind die möglichen Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen können. Wir empfehlen die Vernetzung mit Kolleg_innen, die in diesem Bereich schon aktiv sind, eine Beratung in den regionalen Medienzentren und Recherchen im Netz.

“Bring Your Own Device” (BYOD) versus Schulausstattung

Werden Apps im Unterricht eingesetzt, braucht es dazu die passende Geräteausstattung. Die JIM-Studie macht deutlich, dass mittlerweile fast alle Jugendlichen ein eigenes Smartphone besitzen, d. h., es wird also immer leichter, beim App-Einsatz im Unterricht auf die eigenen Geräte der Jugendlichen zu setzen.

Die Vorteile von Bring Your Own Device (BYOD): Die Schüler_innen müssen sich nicht in ein fremdes Gerät und mobiles Betriebssystem einarbeiten. Zudem hat jede_r die Verantwortung für das eigene Gerät. Die Bildungsarbeit kann dauerhafter angelegt und z. B. im Hausaufgabenbereich fortgesetzt werden usw. Auch entfällt die Wartung der schuleigenen Geräteausstattung, die Akzeptanz bei den Schüler_innen steigt und die Aussicht, Smartphones im Unterricht einzusetzen statt abschalten zu müssen, steigert deutlich die Motivation der Schüler_innen.

Eine Grundausstattung an Geräten in der Schule bringt allerdings den Vorteil mit sich, dass sich die Lehrkraft auf regelmäßig gewartete Geräte und eine verlässliche Ausstattung stützen kann. Die Anschaffung von Apps und Zubehör kann zentral über die Schule gesteuert werden. Die meisten Schulen entscheiden sich dabei für Tablets statt Smartphones, was die Gruppenarbeit aufgrund der großen Displays erleichtert. Darüber hinaus bringt BYOD die Herausforderung mit sich, dass sich die Lehrperson mit allen Geräten zumindest ein wenig auskennen muss, um entsprechend helfen zu können – wobei auch hier häufig auf das Lernen voneinander, Peer-to-Peer, gesetzt werden kann.

Nicht alle Apps sind kostenlos, und das Verständnis für Versuche, Apps als Schulmaterial bei den Eltern abzurechnen, steht sicherlich noch ganz am Anfang. Um keine Ungleichheit zwischen Schüler_innen mit und ohne Smartphone herzustellen, sollte zumindest ein Teil der Geräte vorgehalten oder ein Unterstützungskonzept für Eltern bei der Anschaffung an der Schule etabliert werden. Hier befinden wir uns mitten im Umbruch, jede Schule löst dieses Problem unterschiedlich und es empfiehlt sich, zu rechtlichen und inhaltlichen Rahmenbedingungen dazu Rücksprache mit Kolleg_innen in der Region und mit der Schulleitung zu halten.

App-Stores und Datenbanken

Ein Smartphone oder Tablet funktioniert erst im Dreiklang richtig gut: Die Hardware selbst, das Betriebssystem (z. B. Android, iOS, Windows Phone) und die dazugehörigen sogenannten App-Stores, eine Art Einkaufsladen für Apps.

Diese Stores sind sowohl als App als auch als Website verfügbar. Auch in das Programm iTunes von Apple ist der App Store integriert. Die Websites und iTunes sind mit dem Smartphone oder Tablet verbunden, so dass dort gefundene Apps direkt auf dem eigenen Gerät installiert werden können. Das funktioniert über einen zentralen Benutzer, den man sowohl in den Stores als auch im Gerät verwendet. In den Stores finden sich jeweils mehrere hunderttausend bis Millionen Apps. Damit die richtigen Apps gefunden werden können, sind sie in Kategorien eingeteilt, werden über Zusammenstellungen besonders empfehlenswerter oder beliebter Apps hervorgehoben und sollten auch über die Suchfunktion auffindbar sein.

Dabei sollte darauf geachtet werden, dass manche Apps speziell für kleine Bildschirme (Smartphones) und manche speziell für große Geräte (Tablets) entwickelt und so auch veröffentlicht wurden. Für kleinere Bildschirme entwickelte Apps lassen sich jedoch oft auch auf dem Tablet installieren und in einer vergrößerten Ansicht darstellen. In der App-Beschreibung in den Stores finden sich Informationen darüber, für welche Geräte bzw. Gerätegrößen eine App geeignet ist.
Der „Werkzeugkasten Apps“ soll einen kleinen Überblick über besonders empfehlenswerte Apps für den Unterricht geben. Viele hundert weitere spannende Apps mit fast jeder Ausrichtung findet man im App Store (Apple), im Play Store (Google/Android) oder im Windows Phone Store/Windows Store.

Die Stores sind für die Bedürfnisse der Bildung unübersichtlich – es existieren zu viele Angebote und zu wenige Möglichkeiten der strukturierten Suche und Bewertung. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche Blogs und Portale, die sich der Kategorisierung, Bewertung und Empfehlung von Apps widmen, einige auch mit explizitem Blick auf Bildung. Neben der engagierten und ehrlichen Arbeit vieler Kolleg_innen ist jedoch auch Vorsicht geboten, denn die großen Anbieter bieten Partnerprogramme an: Das bedeutet, dass die Blogbetreiber_innen spezielle Links in ihren Blog einbauen. Wird im Store über diesen Link eine App verkauft, verdient das Blog mit. Das führt häufig dazu, dass nicht die beste App empfohlen wird, sondern die, für die es am meisten Geld für die Empfehlung gibt. Leider ist dieser Vorgang trotz Kennzeichnungspflicht manchmal nicht transparent und es gibt wenige Möglichkeiten, den Mechanismus zu erkennen (außer über die Link-Struktur, die nicht direkt auf die App-Stores, sondern meist über ein Werbenetzwerk führt).

Ein gutes Beispiel einer Datenbanken mit Apps für den Bildungseinsatz stellt www.schule-apps.de dar – aus der Praxis eines Kreismedienzentrums werden hier regelmäßig Apps bewertet, kategorisiert und empfohlen.

Apps und Kosten

Einige Apps kosten Geld, daher sollten folgende Aspekte bedacht werden:
Im Schulkontext muss geklärt werden, ob Apps als Schulmaterial gelten und wer die Kosten übernimmt. Häufig verhindern der Kostenfaktor sowie die Zahlungsabwicklung die persönliche Nutzung auf den Geräten der Jugendlichen. Inzwischen gibt es jedoch auch dafür zahlreiche Lösungen – von der Kreditkarte bis hin zum Gutscheincode beim Einzelhändler. So kann die Schule auch Gutscheincodes erwerben und an die Schüler_innen ausgeben, um dennoch die persönlichen Geräte im Sinne von “Bring Your Own Device” zu nutzen. Einzelne Hersteller bieten in sog. Education-Programmen Sonderkonditionen an, mit denen eine schulspezifischere Nutzung möglich ist. Die exakten Bestimmungen und Angebote sollten auf den Webseiten der Hersteller eingeholt werden, da sich diese immer wieder verändern.

Datenschutz und Werbung

Gerade kostenlose Apps finanzieren sich häufig über Werbung. Viele Apps sind in sogenannten „Lite“-Versionen erhältlich, in welchen Werbeanzeigen üblich sind. Durch den Kauf der Voll- oder Pro-Version lässt sich die Werbung in der Regel ausschalten. Oft sind dann auch mehr Features enthalten. Auch hier gilt es, zu prüfen, ob das kostenlose Angebot für die beabsichtigten Zwecke ausreichend ist und ob die Werbung nicht ablenkend wirkt.
Bei manchen Diensten ist eine Registrierung erforderlich, um auf den vollen Funktionsumfang des Angebots zurückgreifen zu können. Hierbei ist zu prüfen, ob die Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen der jeweiligen Anbieter mit den Richtlinien an der Schule konform gehen.

Zugriff auf Geräte und lokale Daten

Um alle Funktionalitäten einer App zu ermöglichen, müssen in der Regel bestimmte Zugriffsberechtigungen auf System- oder Gerätedienste erteilt werden (z. B. Zugriff auf die geräteinterne Kamera, auf die Netzwerkverbindung, auf das Adressbuch etc.). Für Nutzer_innen von Android und Windows Phone gilt dabei das Prinzip “alles oder nichts”, das heißt: die App mit allen Zugriffsberechtigungen installieren oder auf die App ganz verzichten. Bei iOS (iPhone und iPad) kann einzelnen Zugriffen widersprochen werden, unter Android lässt sich die Erfassung des Standortes global deaktivieren bzw. in der Genauigkeit regulieren. Datenschutzrechtlich bedenkliche Apps wurden in diesem Werkzeugkasten nicht aufgenommen, doch auch bei den anderen kann sich stets etwas ändern.

Generell sollten die erforderlichen Berechtigungen in Hinblick auf die Funktionalitäten, die sie ermöglichen, überprüft werden. Wenn die Messenger App auf die Kamera zugreifen möchte, damit Bildnachrichten versendet werden können, ist der Zugriff einleuchtend, wenn eine Spiele-App auf die Anrufliste oder das Adressbuch zugreifen möchte, ergibt sich eine Notwendigkeit in den meisten Fällen wahrscheinlich nicht. Im Zweifel hilft ggf. ein Blick in die Nutzungs- oder Datenschutzrichtlinien der App, um den genauen Zweck sowie die Plausibilität der Berechtigungen und Datennutzungen nachzuvollziehen. Dieses Wissen gilt es auch an Schüler_innen zu vermitteln – hilfreiche Praxistipps gibt die Einheit “Jugend und Internet – Modul Datenschutz” dieser Unterrichtsreihe.

Online-Zugriff

Die wenigsten Apps laufen isoliert, viele verknüpfen ihre Angebote lokal auf dem Gerät mit Online-Datenbanken, um auch mit anderen Geräten synchron zusammenzuarbeiten, Ergebnisse zu veröffentlichen u. v. m. Auch hier muss genau geprüft werden, was welcher Anbieter mit den eigenen Daten und den persönlichen Daten der Schüler_innen auf eigenen oder Online-Plattformen von Dritten macht. Dazu gibt es meist Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) und häufig auch Datenschutzbestimmungen der Apps. Einige Anbieter von Apps haben weder ihren Firmenstandort noch eine Niederlassung in Deutschland und verarbeiten erhobene personenbezogene Daten nicht in Deutschland, so dass ihre Dienste und Produkte unter Umständen den Datenschutzgesetzen anderer Staaten unterliegen.

So muss stets neu entschieden werden, welche Daten den Anbietern anvertraut werden – und welche nicht. Diese Entscheidung kann durch die vorliegende Publikation und die Module zum Datenschutz nur unterstützt, im Einzelnen aber nicht abgenommen werden. Datenschutz ist eine aktive Aufgabe der Bildung, und die Bewertung von Angeboten wie Apps sollte in den Unterricht integriert werden. Zwar können alle Apps, die hier vorgestellt werden, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auch mit Blick auf Datenschutz empfohlen oder zumindest nicht beanstandet werden, dies kann sich jedoch schnell ändern. Deswegen ist es wichtig, selbst Informationen einzuholen und Apps unter dem Gesichtspunkt des Datenschutzes aktiv mit den Schüler_innen immer wieder neu zu bewerten.

Open Educational Resources – Weiterarbeit erwünscht

Auch bei vorliegender Teilveröffentlichung gilt: Dieses Werk ist OER, “Open Educational Resources”, also ein freies Lehr- und Lernmittel, welches ergänzt und erweitert wiederveröffentlicht werden kann.
OER halten immer mehr Einzug in die Schullandschaft, denn sie passen gut zum Alltag der Lehrer_innen. Jede_r kann die Materialien ohne Angst vor Urheberrechtsbrüchen nutzen, kann diese weiterentwickeln, den Bedarfen der eigenen Schüler_innen sowie den aktuellen Entwicklungen anpassen. In diesem Sinne möchten wir auch mit diesem Werk dazu beitragen, offenes Lehren und Lernen zu ermöglichen.
Eine Bitte: Wenn Sie Ideen haben, wie der Pool an sinnvollen Methoden und Ansätzen erweitert werden kann, wenden Sie sich gern an info@medien-in-die-schule.de

Die Vervielfältigung und die Verbreitung sind unter Angabe der Quelle (Titel, Herausgeberschaft sowie Auflage) erlaubt. Die Weitergabe der Ressource oder von Veränderungen muss unter derselben Lizenz erfolgen.

Weiterführende Literatur- und Linkliste