Im Folgenden werden zentrale Bedingungen für eine gelungene Zusammenarbeit von Schulen und außerschulischen Akteuren im Bereich der Medienbildung skizziert, wie sie von den Befragten akzentuiert werden.

 Initiierung

Bevor eine Bildungspartnerschaft oder partnerschaftliche Kooperation im Bereich Medienbildung entstehen kann, braucht es einen ersten Impuls. Dieser geht in vielen Fällen von einzelnen engagierten Akteuren oder bildungspolitischen Vorschriften, insbesondere Änderungen in Lehrplänen, aus.

Um aus dem ersten Impuls, egal ob aus der Schule, der außerschulischen Institution oder der Bildungspolitik, zu einer gelingenden Zusammenarbeit zu kommen, braucht es einen Prozess der Initiierung, dieser…

… braucht Zeit und Geduld

Für die Initiierung einer neuen Kooperation sind ausreichend Zeitressourcen notwendig, die für die Kontaktaufnahme und das Kennenlernen der Partner genutzt werden können. Dies trägt u. a. der Tatsache Rechnung, dass der persönliche Kontakt eine entscheidende Rolle für den Erfolg einer Kooperation spielt. Hilfreich kann hierbei sein, wenn die Möglichkeit besteht, sich gegenseitig zu Veranstaltungen einzuladen oder ähnliche niedrigschwellige Formen des Kennenlernens möglich sind.

Bei der Suche nach dem geeigneten Partner ist Geduld gefragt. Nach einer ersten Kontaktaufnahme zwischen Vertretern der Schule und außerschulischen Akteuren gilt es insbesondere für die außerschulischen Akteure, immer wieder auf Angebote hinzuweisen und den potentiellen Partner zu eigenen Veranstaltungen einzuladen. Der persönliche Kontakt zwischen den potentiellen Partnern ist dabei aus Sicht der Experten eine gute Basis, die Potenziale der Zusammenarbeit zu eruieren und eine erste Einschätzung zur Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit und Offenheit des Gegenübers zu bekommen

… braucht engagierte Akteure

Besonders erfolgversprechend scheint eine Zusammenarbeit dann, wenn bereits die Initialisierung seitens der Zielgruppen erfolgt, insbesondere wenn Schüler bzw. deren Erziehungsberechtigte den ersten Impuls geben:

»Manchmal sind das dann sogar die Eltern, die so einen Schulentwicklungstag an der Schule dann organisieren und in dem Fall ist es meist so, dass ich sagen würde, das sind Unternehmen, die oft ein kleiner Motor sind, dass sich die einzelnen Schulen um medienpädagogische Themen kümmern (Expert*5, 27)

Durch die Eigeninitiative der Eltern oder Erziehungsberechtigten ist zugleich die Beteiligung der Schüler und im Idealfall die Finanzierung garantiert.

Das persönliche Engagement einzelner Lehr- bzw. Fachkräfte an Schulen oder außerschulischer Fachkräfte ist aus Sicht der Experten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung häufig die Initialzündung einer Kooperation.

»Das, was funktioniert, passiert aufgrund von einzelnen, engagierten Lehrkräften, die sich über alles, meist über das hinaus, was sie zu tun haben, die sich dann engagieren, um das Thema zu bearbeiten« (Expert*5, 37).

Sie können die Situation vor Ort richtig einschätzen und damit umgehen. Das persönliche Engagement einzelner Lehr- und Fachkräfte an Schulen, von Eltern, Schülern oder auch außerschulischen Fachkräften, wird seitens der Experten als ein besonderes Potenzial benannt, das nach der Initiierung auch den Erfolg einer Zusammenarbeit prägt.

… braucht Erkenntnisbedarfe

Ein wichtiger erster Zugang zum Thema Medienbildung ist der Präventionsbereich: Cybermobbing oder Hate Speech spielen in der Lebenswelt der Schüler eine zentrale Rolle und stellen Schulen und schulische Lehr- und Fachkräfte vor Herausforderungen. Als »Einstiegskorridor« (Expert*6, 29) zur Medienbildung erscheinen sie ideal. Dabei ist aus Sicht der außerschulischen Experten immer darauf zu achten, dass es nicht bei diesen Themen bleibt. So wird betont, dass der Bereich der Medienbildung weit mehr umfasst als die Prävention.

Über Präventionsthemen werden schulische Lehr- und Fachkräfte aber dort abgeholt, wo sie stehen und zugleich werden die Bedürfnisse und Problemlagen der Zielgruppe berücksichtigt, was ein hohes Involvement der Schüler verspricht. Zudem bieten viele Präventionsthemen Potenziale für eine breitere Beschäftigung mit medialen Themen.

Dieses mit dem Cybermobbing, das ist mir nochmal so klargeworden. Ich fände es einfach wunderbar, wenn wir dahin kommen. […] es braucht doch eigentlich nicht das Thema Cybermobbing, es braucht das Thema Mobbing. Und da ist Cybermobbing ein integraler Bestandteil, dass eben nicht mehr so getan wird, als wäre das eine völlig abgehobene andere Welt, sondern es ist normaler Bestandteil dieser Welt dieser Schüler. […] Und da, dass das sozusagen dort in eine normale Normalität quasi eingebunden wird und nicht mehr als, ach so und jetzt machen wir nochmal was zu Cybermobbing.« (Mepäds2, 53–59)

Eine dritte Möglichkeit ist der Einstieg über technische Anwendungen und den gesamten IT-Bereich an der Schule. Hier bietet sich insbesondere für den »IT-Anbieter vor Ort« (Expert*5, 19) eine gute Einstiegsmöglichkeit zur Kooperation mit Schulen und Eltern.

…braucht klare Kriterien zur Wahl der Partner

Um vorab einen Rahmen abstecken und mögliche Konflikte vermeiden zu können, sollte der initiierende Part klare Kriterien für die Auswahl eines Partners haben. Diese können von der institutionellen Anbindung über die Ausstattung bis zur persönlichen Sympathie und Reputation gehen. Ideal ist ein Akteur, der aus persönlichem Engagement heraus eine Zusammenarbeit initiiert, die dann fixiert und idealerweise mit der Schulleitung in einen konstruktiven Prozess überführt wird, so die befragten Experten.

Planung und Konzeption von Angeboten

Nachdem der Prozess zur Zusammenarbeit initiiert und der Rahmen dessen, was gemeinsam im Kontext der Medienbildung organisiert werden soll, abgesteckt ist, geht es an eine gemeinsame Planung und Konzeption, diese …

… braucht ein Bewusstsein für die Relevanz der Inhalte

Bei der Konzeption und Angebotserstellung für die Zusammenarbeit spielt zunächst das Bewusstsein für die Relevanz des Angebots und Medienbildung im Allgemeinen eine Rolle, da sind sich schulische und außerschulische Experten einig. Nach Ansicht der befragten außerschulischen Akteure sind primär sie gefragt, die Schule davon zu überzeugen, dass und warum Medienbildung ein zentraler Bestandteil der Bildung an Schulen sein sollte und dass zwar die praktische Medienarbeit im Vordergrund stehen kann, die Reflexion von Medien und mediatisierten Kontexten aber immer mitgedacht werden muss. Dabei gilt es stets darauf zu achten, dass Angebote angenommen oder abgelehnt werden können. Diese Freiwilligkeit (auch in der Teilnahme an einzelnen Projektangeboten) erachten sie als grundlegend, auch wenn dies organisationale Herausforderungen mit sich bringt.

… braucht Passgenauigkeit

Angebote müssen für den potentiellen Partner attraktiv sein. Wenn Angebote beispielsweise mit schulischen Inhalten verknüpft werden, indem z. B. im oder für den Geschichtsunterricht audiovisuelle Aufnahmen an historischen Orten gemacht werden und der Ort darüber reflektiert wird oder Cybermobbing in den Kontext von respektvoller Kommunikation und Mobbing gestellt wird, werden Angebote für Schulen wie Schüler attraktiv. Ein Projekt oder eine Zusammenarbeit wird dann von Schulen besonders gut angenommen, wenn es die Inhalte und Ziele abdeckt, die sich die Schule sowieso gesetzt hat:

»Also ich nehme mal an, wenn jetzt ein Wirtschaftsunternehmen dann versuchen würde, also grflächig irgendwelche Werbung zu platzieren und also sehr konkret die eigenen Belange in den Vordergrund zu stellen, dass dann die Schule selber dann den Riegel vorschiebt oder eben entscheiden muss, inwieweit sie sich darauf einsst.« (Expert*7, 50)

Das externe Angebot darf also nicht zu stark von den eigenen Bedarfen der Schule und ihrer Akteure abweichen, sondern sollte breit angelegt sein. »[J]e breiter das Angebot ist, das man macht, desto größer ist auch die Bereitwilligkeit im Kollegium, sich auch mit Themen auseinanderzusetzen aus diesem Bereich und sich zu spezifizieren« (Schule4, 14).

… braucht Transparenz

Schulische und außerschulische Partner sollten ihre Vorstellungen von Medienbildung in die Kooperation einbringen. Die Schule sollte zudem möglichst präzise Vorstellungen davon haben, was sie sich von einer Zusammenarbeit im Bereich der Medienbildung erwartet: »Also die Schule muss schon auch selbst ihr eigenes Medienbildungskonzept haben« (Expert*6, 21). Und das Angebot sowie die jeweiligen Zielvorstellungen der potentiellen Partner sollten dem Gegenüber transparent dargestellt werden, um die Potenziale von Angeboten und Konzepten einschätzen zu können. Insbesondere für die Akzeptanz der Zusammenarbeit an der Schule erscheint es sinnvoll, Partizipationsgremien, wie Elternbeirat oder Schulkonferenzen in Planungen mit einzubeziehen, sie zumindest zu informieren und Transparenz über geplante Aktivitäten herzustellen, um sich bei auftretenden Problemen darauf berufen zu können.

Vorbereitung der Kooperation

Sind gemeinsame Zielvorstellungen vereinbart, Einzelinteressen transparent gemacht und haben die Partner einen gemeinsamen inhaltlichen wie strukturellen Rahmen abgesteckt, muss die Kooperation vorbereitet werden, das…

… braucht Planungssicherheit

Planungssicherheit spielt nicht nur in der Zusammenarbeit mit wirtschaftlichen Partnern eine große Rolle. Kooperationen bestehen idealerweise langfristig, haben verlässliche Meilenstein- und Arbeitspläne und gehen über spontane Projekte hinaus:

»Denn wir sehen den Erfolg nur dann, wenn das Ganze langfristig geplant wird, wenn es eine Entwicklung ist, eine gemeinsame Entwicklung und Unterstützung ist. Und wenn Schule die Möglichkeit hat, nachfragen zu können. Die Möglichkeit hat, auch über einen längeren Zeitraum beraten zu werden und sich entwickeln zu können. Und letzten Endes eben auch immer aktiv mitgestalten können, was ist der nächste Schritt für uns, was wollen wir als chstes.« (Expert*2, 37)

Eine langfristige Planung und gemeinsame (Weiter-)Entwicklung der Zusammenarbeit über eine gemeinsame Strategie und Struktur, festgelegte Arbeitsschritte und Meilensteine und klare Zielvorstellungen sind entscheidend für eine gelingende Kooperation. »Und Kooperationen, die erfolgreich sind, sind solche, die sich auch immer klare mittelfristige Ziele setzen, strategische Optionen für sich definieren und sagen, da wollen wir hin« (Expert*3, 43).

… braucht Kooperationsvereinbarungen

Eine enge Zusammenarbeit bedarf einer detaillierten Planung, so die Experten. Von Beginn an sollten Ansprechpartner, Zeiträume, Technik und räumliche Bedingungen ebenso gemeinsam festgelegt und möglichst detailliert besprochen werden wie Ergebnisverwertung und Außenwirkung. Schriftliche Kooperationsvereinbarungen ermöglichen, gemeinsame Zielvorstellungen, Aufgaben, Ansprechpartner, Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten zu fixieren, um Verbindlichkeiten herzustellen:

»Es geht nicht darum bei Kooperationsvereinbarungen, dass man dann jemanden bei Nichterfüllung schadenersatzpflichtig macht, sondern es geht darum, dass das, was man geplant hat, schriftlich fixiert wird, und dass es eine ernsthafte Planung ist und dass sich beide Partner klar darüber werden, was sagen sie zu, und auch ein Bewusstsein davon haben, dass jede Seite ja etwas organisiert und etwas an Vorleistung erbringt, damit die verabredete Sache auch durchgeführt werden kann. Und damit all dies nicht eine Fehlinvestition […] wird, muss eben ein klares Versndnis darüber hergestellt werden, wer macht was, wann, wie und wie wird der Erfolg gemessen und wie wird der Erfolg ausgewertet? Und diese Strukturen müssen schriftlich fixiert werden und das ist dann die Kooperationsvereinbarung. Und wer einmal eine Vereinbarung unterzeichnet hat, weiß, wie hilfreich das dann für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist, dass man im nächsten Durchgang sehr gerne diese Vereinbarung wiederholt beziehungsweise fortschreibt (Expert*3, 19)

Zudem können die Beteiligten ihre Planungen und Schritte im Projekt immer wieder an den vorab skizzierten Zielvorstellungen und gegenseitigen Erwartungen orientieren. Im Zweifels- oder Konfliktfall können sich die Partner dann auf die Kooperationsvereinbarung berufen.

… braucht klare Rollen- und Zielvorstellungen

Erwartungshaltungen und Wünsche sollten frühzeitig abgeklärt und Rahmenbedingungen abgesteckt werden, damit zu Projektstart die Inhalte im Mittelpunkt stehen. Und nur wenn die potentiellen Partner ihre Wünsche äußern, können diese auch konzeptionell berücksichtigt werden. »[J]e klarer das Leistungsbild und das Erwartungsbild beschrieben ist, desto klarer können die Prozesse dann gestaltet werden« (Expert*3, 15). Dazu gehören auch klare Rollendefinitionen vor Projektbeginn und klare Zieldefinitionen. Während der Zusammenarbeit ist dann aber auch Flexibilität gefragt. Rollen- und Zielvorstellungen müssen als Orientierungsrahmen begriffen werden, nicht als starres Gesetz.

Organisation der Zusammenarbeit

Nach Initiierung, Planung und Vorbereitung der Bildungspartnerschaft muss die Zusammenarbeit während der festgesetzten Laufzeit organisiert werden. Diese Organisation ist ein wichtiges Element der Kooperation und …

… braucht die Integration aller Beteiligten

Haben sich geeignete Partner gefunden, da sind sich alle Experten einig, erfordert die Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischen Akteuren zuallererst eine gute Organisation, in die möglichst alle Beteiligten gleichberechtigt integriert werden:

Schulleitung

Die Schulleitung spielt dabei insofern eine entscheidende Rolle, als dass sie die Bereitstellung von Ressourcen koordiniert und an den Schulen die finale Entscheidungsebene ist. Sie sollte in die Organisation der Zusammenarbeit an zentraler Stelle eingebunden werden, um sich damit identifizieren zu können. Neben einer Vernetzung der Beteiligten scheinen das Engagement und die Unterstützung der Schulleitung entscheidend für das Gelingen einer Kooperation. Idealerweise ist die Schulleitung aufgeschlossen für Medienbildung und Medienkompetenz, so »dass dann Schulleitungsentscheidungen eben das auch immer mit im Fokus, also immer mit im Hintergrund haben, dass Medienkompetenz dort nicht zu kurz kommt« (Schule3, 82). Die Schulleitung darf Medienbildung nicht als optionales Zusatzangebot, sondern muss sie als zentrales Element der Kompetenzentwicklung von Lehr- und Fachkräften an Schulen und deren Schüler begreifen.

Kollegium

Darüber hinaus gilt es, das Kollegium zumindest über Aktivitäten zu informieren und möglichst einzubinden. Das geschieht einerseits über den Kontakt zur Schulleitung, zum anderen über die Ansprechpartner an der Schule, die in der Zusammenarbeit beteiligten Lehrkräfte und/oder Fachkräfte der Sozialpädagogik oder  Schulsozialarbeit. Idealerweise werden Planungen immer rechtzeitig und mit langfristiger Perspektive mit dem gesamten Kollegium abgesprochen. Darüber hinaus ist es angeraten, einen guten Kontakt zur Haustechnik, zur Schulverwaltung und zum Sekretariat zu pflegen, da hier Ressourcen verteilt und organisatorische Dinge gebündelt sind.

Eltern, Erziehungsberechtigte und Interessensvertreter

Das Dreieck Lehrkraft-Kinder-Eltern spielt für das Gelingen insbesondere langfristiger Kooperationen eine zentrale Rolle. Nicht selten kommt die Initiative zu einer Kooperation im Bereich der Medienbildung aus der Elternschaft. In einzelnen Fällen wird sie auch finanziell von dieser getragen. Wichtiger aber ist, dass Eltern immer in die Planung und Organisation der Zusammenarbeit involviert werden:

»Es geht jetzt nicht darum, dass ich jetzt 1.600 Eltern mit befragen muss und eine Abstimmung, wollt ihr jetzt rot oder grün. Meine ich nicht politisch, sondern wollt ihr jetzt so eins oder zwei. Aber zumindest einzubinden in der Entscheidungsfindung, um zu sagen, okay, also wir hatten das und das zur Auswahl.« (Expert*2, 73)

Wenn die Eltern überzeugt sind, sollten auch die Schüler in die Organisation einbezogen werden. Eine kooperative Zusammenarbeit mit Schülern ist schon deshalb erfolgsversprechend, weil es um ihre Lebenswelt, ihren Bedarf und ihre Themen gehen sollte. Zum anderen weil sie sich oft besser mit aktuellen Medienentwicklungen auskennen als die Lehr- und Fachkräfte. Sind sie begeistert und in Konzeption und Organisation der Zusammenarbeit involviert, verspricht das eine konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit.

… braucht das Engagement der Schule

Die Prozesse der Medienbildung müssen Schulen selbst durchlaufen, sie müssen eigene Positionen erarbeiten. Außerschulische Akteure können dafür Initiator und Impulsgeber sein, aber die Schule selbst muss aktiv werden, damit eine Zusammenarbeit im Bereich der Medienbildung erfolgreich sein kann.

»Weil das, was ansteht, ist nicht eine Sache, die man von oben nach unten per Rundschreiben oder Erlass verordnen kann. Sondern das sind auch kulturelle Veränderungsprozesse, die sich vollziehen. Die brauchen wohl formale Rahmen, die ihnen nicht zuwider sprechen. Die ssen aber vor allem auch von der Basis her heranwachsen. Und dann entsteht da auch eine Möglichkeit für die Veränderung, auch eine dauerhafte Perspektive.« (Expert*6, 53)

Wenn außerschulische Akteure in der Lage sind, diesen Prozess zu initiieren, die Schule für Medienbildung zu öffnen und sie in diesem Prozess zu begleiten, dann ist die Zusammenarbeit gelungen. »Das heißt, es braucht eine große Offenheit und auch wirklich Bereitschaft der aktiven Teilnahme der Schule« (Expert*2, 39). Schulische Lehr- und Fachkräfte müssen dazu in die Lage versetzt werden, Teilbereiche und Elemente der Medienbildung beurteilen und in den eigenen Unterricht integrieren zu können.

»Also ein ganz tolles Projekt, was wir mal hatten, war in einer Reformschule, die sowieso projektorientiert immer arbeitet. […] Das heißt die Lehrer und die Schülerschaft hat mit uns zusammen Projekte entwickelt und damit waren die natürlich verankert. Von vornerein. Das war aber eine Reformschule, wie viele gibt’s davon?« (Mepäds1, 50)

… braucht Kenntnisse der Schulorganisation und Schulkultur

Für eine gelingende Kooperation gilt es, das System Schule mit seiner Hierarchie, seinen knappen Ressourcen und unterschiedlichen Bedingungen wahrzunehmen und konzeptionell zu berücksichtigen, so die einhellige Meinung der Experten.

»Und da muss strukturelle Passung organisiert werden. Denn jeder noch so gut gemeinte Beitrag scheitert oft dann in der Schule, wenn es nicht passt. […] Also es muss von der Struktur her passen« (Expert*3, 15).

Dabei spielt es zunächst keine Rolle, um welchen Schultyp es sich handelt, wenn die Bedingungen Berücksichtigung finden. Die Schule muss bereit sein, Freiräume zu schaffen. »Das bedeutet aber auch, dass man raus muss aus dem normalen Schema«  (Expert*1, 41),  dass zeitliche  und räumliche Ressourcen zur Verfügung gestellt und initiierte Prozesse von der Schule selbst durchlaufen, weiterentwickelt und im Schulalltag verankert werden müssen.

»Aber das muss eine Schule in ihrem Medienbildungskonzept – denke ich – grundsätzlich auch klären. Deshalb ist es wichtig, dass die Schulen das haben, dass eben da auch ein – regelmäßig neu verhandelt – ein Kodex von Setzungen vorhanden ist, der ein Agieren und Interagieren eben auch ermöglicht.« (Expert*6, 61)

Ohne die Bereitstellung benötigter Ressourcen ist aber auch ein Medienbildungskonzept nicht umsetzbar. Beide Seiten müssen wissen, wer welche Ressourcen einbringen kann und wie diese ausgeschöpft werden können; und sie müssen geeignete Rahmenbedingungen setzen.

… braucht klare Ansprechpartner

Erfolgsversprechend für die Zusammenarbeit ist aus Sicht der Experten die klare Benennung von Ansprechpartnern an den beteiligten Institutionen. Diese sollten gut vernetzt und gut erreichbar sein, so »dass man ständig Kontakt halten kann und da nicht irgendwie langwierig immer hin und her schicken muss die Information« (Schule3, 30). Insbesondere erscheint den außerschulischen Experten ein schulischer Ansprechpartner unerlässlich, der einerseits auf sie zugeht, andererseits die Kollegen motiviert, sich an der Kooperation oder einzelnen Angeboten zu beteiligen und die Kooperation mit seinem Engagement unterstützt.

… braucht Vermittlungsfunktion

Der schulische (oder auch außerschulische) Ansprechpartner hat auch eine Vermittlerfunktion. Für ein gutes kooperatives Verhältnis empfehlen die Experten Vermittler, die eine Verzahnung zwischen Schule und außerschulischer Bildung ermöglichen  und  idealerweise in beiden Bereichen vernetzt sind und damit die unterschiedlichen Welten, die da aufeinanderstoßen, moderieren, »so lange bis diese Welten sich im Bereich der Medienkompetenzförderung angeglichen haben« (Expert*1, 65). Insbesondere Fachkräfte der Schulsozialarbeit oder Lehrkräfte mit pädagogischer Sozialisation im außerschulischen Bereich haben durch ihre Erfahrungen außerhalb des Systems Schule ein anderes Verständnis von der Zusammenarbeit und den Möglichkeiten zwischen schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit.

»Und da muss man eben auch gucken, […] wo das zusammenpasst und dann auch eine entsprechende konstruktive Arbeitsatmosphäre entstehen kann. Das passiert nicht automatisch« (Expert*6, 43).

Insbesondere für außerschulische Akteure gilt darüber hinaus, sich an die eigene Schulzeit, die speziellen Rahmenbedingungen, Abläufe und Organisationseinheiten im System Schule zu erinnern, um mit diesen kreativ umzugehen und sie ggf. außer Kraft  zu  setzen. Dies aber immer im Bewusstsein, dass sie das System Schule strukturieren und sich nicht durch gelegentliche Projekte und neue Ansätze auflösen werden.

… braucht Vernetzung

Für ein angemessenes Qualitätsmanagement, mit dem auch Projektergebnisse evaluiert und die Außenwahrnehmung überprüft werden kann, gilt es sich zusammenzusetzen, zu vernetzen. Idealerweise gibt es institutionalisierte Steuer- oder Arbeitskreise, in denen die verschiedenen Perspektiven zusammengebracht werden. Eine Möglichkeit, frühzeitig und systematisch die Potenziale der Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischen Akteuren auszuloten, Erwartungshaltungen, Rahmenbedingungen und Leistungen vorzubestimmen, sind externe Netzwerke, in denen sich potentielle Partner vorab informieren und austauschen können.

»Weil man zum einen mit außerschulischen Partnern in Berührung kommt und andererseits aber auch ein Netzwerk von Schulen hat, die sich dort natürlich sehr, sehr offen austauschen« (Schule4, 16).

… braucht Kommunikation

Kommunikation im Vorfeld, während des Projekts und bei der Auswertung ist neben Kollaboration, Kreativität und Kritikfähigkeit eine Grundbedingung für eine lebendige, verlässliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Der Austausch über Probleme, Themen und Bedarfe von Schülern ist entscheidend. Dazu sollten die außerschulischen Fachkräfte möglichst von Zeit zu Zeit an Versammlungen des Lehrerkollegiums teilnehmen und den Dialog suchen. Durch die damit verbundene Präsenz in der Schule wird persönliche Bindung befördert:

»Menschen, die vor Ort kooperieren, müssen sich auch mal Auge in Auge gegenübersitzen und sich von der menschlichen Seite auch kennenlernen und verstehen lernen und wissen, mit wem man es zu tun hat« (Expert*3, 39).

… braucht Transparenz

Ebenso wie in der Initialisierung und Planung der Zusammenarbeit ist auch in der Durchführung und begleitenden Kommunikation Transparenz gefragt, so die außerschulischen Experten:

»Ich glaube, zum einen, was ich auch schon gesagt habe, immer und immer wieder Transparenz. Also einmal aufzuzeigen und auch zu leben, dass eben Entscheidungen nicht willkürlich getroffen werden. Dass also die Entscheidung zu einem bestimmten Produkt, die Entscheidung zu einem bestimmten Inhalt, zu einem bestimmten Anbieter, dass die nach nachvollziehbaren Kriterien erfolgt ist.« (Expert*2, 73)

Aufgaben, Leistungen und Erwartungen müssen jederzeit transparent kommuniziert, Beteiligte und Interessenvertreter mitgenommen werden, um nicht im Nachhinein Krisenmanagement betreiben zu müssen.

… braucht Nachhaltigkeit und Kontinuität

Um Medienbildung nachhaltig an Schulen zu verankern, braucht es Kontinuität, auch in der Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern. Der außerschulische Akteur sollte regelmäßig Projekte oder Angebote an der Schule durchführen und auch inhaltlich Dinge wiederholen, um eine Struktur in die Zusammenarbeit zu bringen und die Schule dazu zu bewegen, selbst regelmäßig Angebote zu machen, damit Themen im Bewusstsein bleiben. Erfolgversprechend sind langfristige, kontinuierliche Kooperationen, nachhaltige Konzepte und nicht Helikopterprojekte.

… braucht Integration in die Schulkultur

Eine feste Integration in die Schule, indem Räume bereitgestellt und gemeinsam mit außerschulischen Akteuren gestaltet werden und die Integration von Maßnahmen der Medienbildung im Schulprogramm zu verankern, steigert die Präsenz und damit auch die Wahrnehmung und Wertschätzung medienpädagogischer Arbeit:

»Das heißt, es sind ganz wesentliche Impulse, die außerschulische Bildungseinrichtung für die Schule liefern kann, aber dabei sind eine ganze Anzahl von Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und Qualitätskriterien zu berücksichtigen, die dann auch zum Erfolg führen und nicht zum Misserfolg, wie es auch oftmals passiert ist.« (Expert*4, 7)

Das Zitat verdeutlicht nochmals die Bedeutung der Integration der Angebote in übergreifende Handlungskonzepte an der Schule. Nachfolgend werden Unterstützungsangebote betrachtet, die bereits bestehen bzw. weiterentwickelt werden sollten.

 

Eine ausführliche Darstellung findet sich in der Langfassung der Studie

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