Sowohl in der teilstandardisierten Befragung als auch in den Interviews mit den Experten wurden Herausforderungen, Hürden und Problembereiche thematisiert, die die Zusammenarbeit in der Medienbildung erschweren. Einleitend stehen die Perspektiven der außerschulischen Partner denen der Fach- und Lehrkräfte an Schulen gegenüber, um typische gegenseitige Wahrnehmungen zu illustrieren. Jedoch ist es zu kurz gegriffen, die Auswertung auf der Ebene der gegenseitigen Zuschreibungen abzuschließen. Vielmehr wurden aus dem empirischen Material Herausforderungen, Hürden und Probleme herausgearbeitet, die teils personenbezogen und teils an institutionelle Rahmenbedingungen geknüpft sind. Diese Ergebnisse sind nachfolgend dargestellt.

DIE PERSPEKTIVE DER AUSSERSCHULISCHEN: FEHLENDE QUALIFIKATION UND UNZUREICHENDE TECHNISCHE  AUSSTATTUNG AN  SCHULEN  IM  FOKUS

Zwei häufig angesprochene Bereiche, in denen Hürden verortet werden, sind im nachstehenden Zitat prägnant angesprochen:

»Es ist immer notwendig, professionelles Fachpersonal aus der Medienbildung zur Seite zu haben, wie es ebenso notwendig ist, entsprechende Medientechnik zum Einsatz bringen zu können (FB 1643)

Angesprochen sind Qualifikationen der agierenden Personen und technische Bedingungen der Arbeit. Beides sind die am häufigsten angesprochenen Hürden in der teilstandardisierten Befragung – an der ja mehrheitlich medienpädagogische Fachkräfte von freien und öffentlichen Trägern teilgenommen haben.

Als erster Komplex an Herausforderungen werden ein fehlendes Bewusstsein von der Notwendigkeit der Medienbildung, ein fehlendes gemeinsames Verständnis für Medienbildung, eine eher ablehnende Haltung gegenüber Medien sowie eine geringe Medienkompetenz bei den Lehr- und Fachkräften an Schulen beklagt.

Diese Kombination führe u. a.  dazu, dass  Lehrkräfte die Arbeit an die außerschulischen Partner übergeben, selbst während der Projektzeit z. B. Klausuren korrigierten oder kein Interesse an den Leistungen der Schüler im Rahmen der Projekte zeigten. Diese Einschätzungen von den außerschulischen Partnern finden sich auch in den qualitativen Befragungen.

Als zweiter Komplex an Hürden werden die technischen Rahmenbedingungen an Schulen benannt. So sei oftmals keine aktuelle Ausstattung vorhanden oder so restriktiv administriert, dass die medienpädagogische Arbeit mit der schulischen Infrastruktur nicht oder nur mit großem Organisationsaufwand möglich sei. Auch diese Einschätzung bringen die außerschulischen Partner in der Onlinebefragung häufig als Herausforderung ein. In den qualitativen Interviews steht die Technik dagegen weniger im Fokus.

DIE PERSPEKTIVE DER LEHRKR ÄFTE: UNREALISTISCHER ANSPRUCH UND UNKENNTNIS DER RAHMENBEDINGUNGEN AN SCHULEN

Aus der Perspektive der befragten Lehrkräfte zeichnet sich dagegen ein anderes Bild. So beschreiben die Lehrkräfte es als ein zentrales Problem, wenn außerschulische Partner mit  unrealistischen Vorstellungen  und Unkenntnis der Arbeitsbedingungen an Schulen die Zusammenarbeit suchen. Eine Lehrkraft beklagt:

»Es war ein sehr engagierter Mensch mit tollen Ideen, aber das war völlig unrealistisch, sowohl was die Möglichkeiten, die technischen Möglichkeiten der Schule, betrifft als auch die Kapazitäten der Lehrer, als auch die Möglichkeiten der Schüler.« (Schule1, 74)

Probleme entstehen demnach, wenn die außerschulischen Partner sich nicht ausreichend auf die Bedingungen der Schule einlassen bzw. einstellen können.

Zudem werden unrealistische Versprechungen bezüglich der Umsetzbarkeit der Medienarbeit als Hürde für eine weitere bzw. dauerhafte Zusammenarbeit angesprochen.

 

FEHLENDES GEGENSEITIGES UND GEMEINSAMES VERSTÄNDNIS IST ZENTR ALE HÜRDE

 Mit den beiden dargestellten Perspektiven wird deutlich, dass ein gegenseitiges Verständnis der Akteure füreinander und für die Arbeitssituation und -kontexte deutlich ausbaufähig ist. Dies gilt sowohl für die persönliche Situation der Partner als auch für institutionelle Rahmenbedingungen des Handelns. Die Verbesserung dieses gegenseitigen Verständnisses erscheint damit als ein zentraler Ansatzpunkt, um gute Voraussetzungen für die Zusammenarbeit zu schaffen.

Die in der Auswertung herausgearbeiteten Herausforderungen, Hürden und Probleme erlauben dabei, konkret zu adressieren, wo am Verständnis gearbeitet werden muss. Dabei ist klar, dass allein mit gegenseitigem Verständnis die auftretenden Probleme noch nicht gelöst sind. Jedoch ermöglicht dies, die Herausforderungen der Zusammenarbeit besser gemeinsam zu lösen.

Wie bereits unter Schwerpunkte und Angebotsformen dargestellt, zählt hierzu auch das teils fehlende gemeinsame Verständnis des Gegenstandes Medienbildung. So schreiben die befragten außerschulischen Akteure den schulischen Partnern ein stärker funktionales Verständnis von Medienkompetenz sowie eine stärkere Ausrichtung auf eine bewahrpädagogische Haltung zu.

In den Freitextantworten der teilstandardisierten Onlinebefragung der Akteure wird entsprechend auf die Frage nach besonderen Herausforderungen in der Zusammenarbeit in der Medienbildung am häufigsten das unterschiedliche Verständnis von Medienbildung und die weniger ausgeprägten Kenntnisse der Lehrkräfte beschrieben. Beides hat eine geringere Bedeutungszuweisung und andere Schwerpunktsetzungen zur Folge.

Für den Erfolg der Zusammenarbeit wird damit abermals das gemeinsame Verständnis betont, dass durch eine Verankerung in Aus- und Fortbildung oder den Austausch im Rahmen der Zusammenarbeit entwickelt werden kann. Dieser Aspekt reicht also über die individuellen Fähigkeiten hinaus und verweist auf strukturelle Bedingungen der Ausbildung von Lehrkräften und der Verankerung von Medienbildung als Inhalt in Lehramtsstudiengängen.

 

ÜBERSICHT ÜBER WEITERE RELEVANTE HER AUSFORDERUNGEN, HÜRDEN UND PROBLEME

Folgende Herausforderungen, Hürden und Probleme werden kontrovers diskutiert. Einige der genannten Problemfelder sind nicht unbedingt überraschend. Neuigkeitswert hat dagegen vielmehr die Verschränkung der Problemfelder und Herausforderungen mit inhaltlichen Dimensionen der Medienbildung. Über diese werden die verschiedenen Ansatzpunkte deutlich, an denen zur Bearbeitung angesetzt werden müsste.

  • Finanzierungs- und Förderungstrukturen sind nicht (ausreichend) auf den Aufbau von langfristigen und nachhaltigen Partnerschaften ausgerichtet
  • Zeitstruktur und hoher Organisationsaufwand
  • Technische Ausstattung der Schulen und technische Ansprüche an die Projektarbeit
  • Mangelnde Bedeutungszuschreibung für Medienbildung
  • Eigentlich geforderte Kompetenzen der Partner kommen nicht zum Tragen
  • Fehlende Nachhaltigkeit und Langfristigkeit
  • Schwierigkeiten in der Kommunikation | Verlässlichkeit von Absprachen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen bzw. Vorschriften

Eine ausführliche Darstellung findet sich in der Langfassung der Studie

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