menu

Superwahljahr 2024: Junge Wähler*innen und die Herausforderungen durch Desinformation

Am 9. Juni fanden in Deutschland die Europawahlen 2024 statt. Insgesamt durften 4,8 Millionen Erstwähler*innen an der Wahl teilnehmen, über eine Million mehr als im Vorjahr. Das ist dadurch zu erklären, dass mit der Absenkung des Wahlalters zum ersten Mal ab 16-Jährige wählen durften. Auch bei den Landtagswahlen am 22. September in Brandenburg darf ab 16 gewählt werden. Dies ist eine bedeutende Neuerung, denn auch Jugendliche sind von gegenwärtigen politischen Entscheidungen betroffen und haben somit ein legitimes Interesse daran, mitbestimmen zu dürfen.

Besonders Desinformation und Verschwörungserzählungen werden jedoch von bestimmten Akteuren online eingesetzt, um Verwirrung und Unruhe zu stiften, gesellschaftliche Spaltungen zu bewirken und ihre eigenen politischen Interessen durchzusetzen. Dabei können jene Falschinformationen viele verschiedene Formen annehmen: Deepfakes und anderweitig manipulierte Fotos von Politiker*innen, Posts mit falschen Informationen zu den Wahlen, verfälschte Screenshots von Nachrichtenschlagzeilen und vieles mehr. Solche Inhalte können sich online rasant verbreiten und den politischen Diskurs stark polarisieren und die Wahlen delegitimieren, was die Demokratie gefährden kann. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Kinder und Jugendliche für jegliche Art von Desinformation sensibilisiert werden, damit sie Fakten von Fakes unterscheiden und verstehen können, mit welchem Ziel Desinformation verbreitet wird. Mehr dazu, wie sich Desinformation auf die Demokratie auswirkt finden Sie im weitklick-Beitrag „Wie gefährdet Desinformation die Demokratie?“

Echt oder Fake? Faktenchecker für die Wahl 

Während des Wahlkampfes kursieren überall, vor allem in den sozialen Medien, widersprüchliche Informationen. Die erste Anlaufstelle für Fragen zur Wahl selbst sollte dabei immer die offizielle Webseite der Europawahlen sein. Dort lässt sich leicht herausfinden, wann die Wahlen in Deutschland stattfinden, wer wahlberechtigt ist, wie man sein Wahllokal findet und was man zum Wählen mitbringen muss. Die Seite ist auch in englischer Sprache verfügbar und es gibt auch ein zweisprachiges Angebot in Leichter Sprache auf Deutsch und auf Englisch

Auch unabhängige Faktencheck-Organisationen spielen eine wichtige Rolle bei der Überprüfung und Widerlegung von Desinformation. Es ist immer eine gute Idee, Informationen über mehrere Quellen zu prüfen und im Zweifelsfall auf einen Faktenchecker zurückzugreifen. Hier ist eine Auswahl an hilfreichen Faktencheckern für die Wahl: 

  • Elections 24 Check — länderübergreifender Faktenchecker rund um die Europawahlen 2024; auf Englisch
  • Google Fact Check Tools — funktioniert ähnlich wie eine Suchmaschine, bei der man nach zu prüfenden Informationen suchen kann; auch zum Prüfen von Bildern geeignet
  • Correctiv Faktencheck — Faktencheck zu verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Themen; die neuesten Faktenchecks können User*innen über einen WhatsApp-Kanal erhalten; außerdem können Hinweise zum Überprüfen per WhatsApp an die Nummer +49-151-17535184 geschickt werden 

Was Schulen gegen Desinformation im Wahlkampf tun können 

Ebenso wichtig ist es, dass Schulen und andere Bildungseinrichtungen sich dafür einsetzen, die Medienkompetenz junger Menschen zu stärken und ihr kritisches Denken zu fördern. Denn nur so können Kinder und Jugendliche vertrauenswürdige und unseriöse Quellen voneinander unterscheiden und sich selbstständig eine eigene politische Meinung bilden. Angebote wie der faktenstark Trust-O-Mat oder der Newstest können Kinder und Jugendliche darauf aufmerksam machen, wie anfällig auch sie für Desinformation sein können und mit welchen Strategien sie diese in Zukunft besser handhaben können. 

Auch die folgenden Angebote können dabei helfen, die Themen Desinformation und Verschwörungserzählungen generell und spezifisch im Kontext der Europawahlen im Unterricht zu beleuchten:

Leichte Sprache-Spezial: Unterrichtsmaterialien in leichter Sprache

Es ist die Aufgabe aller Lehrkräfte, ihre Schüler*innen so gut wie möglich auf ihrem Bildungsweg und bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Dazu zählt jedoch nicht nur die Schulung in den klassischen Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Englisch, sondern auch der Erwerb weiterer wichtiger Kompetenzen. Mit der rasanten Digitalisierung wird besonders die Medienbildung ein immer bedeutender Teil jener Kompetenzvermittlung.

Allerdings fällt es oft schwer, angemessene Unterrichtsmaterialien für junge Menschen mit Einschränkungen beim Lesen und Verstehen zu finden. Um allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu wichtigen Informationen und Bildungsinhalten zu ermöglichen, müssen deswegen Angebote in leicht verständlicher Sprache her. Diese fördern die Inklusion und Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen an der digitalen Gesellschaft und ermöglichen es ihnen, sich sicher und selbstbewusst im Internet zu bewegen. Deswegen haben wir für Sie kostenlose Arbeitsblätter, Erklärtexte, Broschüren und vieles mehr in Leichter Sprache zu den Themenfeldern Jugendmedienschutz und Medienpädagogik gesammelt, um die Förderung der digitalen Kompetenzen aller Schüler*innen zu erleichtern.

Definitionen und Erklärtexte rund um Medien

Für den Einstieg in die Medienbildung und die Aneignung erster Kenntnisse ist es oft hilfreich, zentrale Begriffe wie Medien, Digitalisierung oder soziale Netzwerke nachschlagen zu können. Die folgenden Angebote bieten kurze, leicht verständliche Begriffsdefinitionen und längere Erklärtexte in vereinfachter Sprache, um grundlegende Fragen wie „Was ist ein Computer?“ oder „Was kann ich mit einem Smartphone alles machen?“ zu klären.

Unterrichtseinheiten und -materialien zur Medienbildung

Umfangreichere Unterrichtseinheiten aus beispielsweise Arbeitsblättern, Broschüren, Stundenablaufplänen und Videos hingegen eignen sich, um Themen zu vertiefen und zu festigen. Die hier vorgestellten Materialien thematisieren verschiedenste medienpädagogische Schwerpunkte, wie Cybermobbing, Desinformation und Extremismus, aber auch die Rolle von Influencer*innen, Geschlechterstereotypen in Musikvideos und Datenschutz. Einige wurden fächer- oder altersspezifisch konzipiert, während andere frei in allen Klassenstufen und Fächern eingesetzt werden können, soweit gewünscht.

Für Eltern stellt Elternguide.online zusätzlich Texte in Leichter Sprache zu Verfügung. Sie sollen dabei helfen, den richtigen Medieneinsatz für verschiedene Altersklassen einzuschätzen und welche Angebote und Geräte sich für Kinder und Jugendliche in verschiedenen Lebensphasen eignen.

JIM-Studie 2023: Jugendliche sind vermehrt Online-Risiken ausgesetzt und fühlen sich durch die Schule gestresst

Im Jahr 1998 rief der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest das Pendant der KIM-Studie für Jugendliche, die JIM-Studie, ins Leben. Seitdem befragt der Verbund jährlich ca. 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren aus ganz Deutschland zu ihrem Medienalltag. Dabei wird primär die Nutzung und der Konsum verschiedener Medien in der Freizeit gemessen, jedoch werden auch die Rezeption von Nachrichten und Informationen, die persönliche Wahrnehmung von Desinformation und der Medieneinsatz in der Schule erfasst.

In 2023 wurde darüber hinaus ein besonderer Fokus auf die Eindrücke und Empfindungen von Schüler*innen gegenüber dem Einsatz von digitalen Tools wie Schulmessengern und Schulclouds gelegt. Auch wurde zum ersten Mal erfasst, wie stark Jugendliche gegen ihren Willen pornografischen Inhalten ausgesetzt werden und wie prävalent sexuelle Belästigung im Netz ist.

Womit Jugendliche ihre Freizeit verbringen

Auch im vergangenen Jahr ist der Medienkonsum der Jugendlichen erneut rundum angestiegen, jedoch bleiben Aktivitäten wie sich mit Freunden treffen, Sport treiben oder etwas mit der Familie unternehmen weiterhin beliebt. Allerdings verbringen mittlerweile 93% der Jugendlichen täglich Zeit am Handy und verzeichnen damit eine durchschnittliche Bildschirmzeit am Smartphone von 213 Minuten pro Tag. 43% aller Jugendlicher sind sich ihrer Bildschirmzeit jedoch bewusst und achten aktiv darauf, ihre Zeit am Smartphone in Grenzen zu halten. Knapp über die Hälfte genießen es auch, regelmäßig Zeit offline zu verbringen und die Mehrheit hält das Handy für einen Zeitfresser.

Unabhängig vom Gerät sind Jugendliche derzeit im Schnitt 224 Minuten pro Tag im Internet unterwegs. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 204 Minuten. Social Media Apps wie WhatsApp, Instagram und TikTok sind dabei besonders populär. Aber nicht nur unterhaltende Beiträge werden auf diesen Plattformen rezipiert, sondern sie dienen mittlerweile auch als wichtige Informationsquelle: Etwa ein Drittel aller Jugendlicher informiert sich auf YouTube, TikTok oder Instagram zum aktuellen Weltgeschehen. Als besonders interessant werden dabei die Themen Klimawandel (63%), Ukraine-Krieg (54%) und Diversity/Vielfalt (40%) betrachtet. Damit stehen die sozialen Medien an vierter Stelle der Informationsquellen hinter dem Gespräch mit Familienmitgliedern, Nachrichten aus dem klassischen Fernsehen oder Radio und dem Gespräch mit Freunden. Zusätzlich haben 39% mindestens eine Nachrichtenapp installiert und zwei Drittel halten sich selbst für gut informiert.

Immer mehr Jugendliche machen negative Erfahrungen im Netz

Allerdings begegnen mit der steigenden Nutzung von sozialen Netzwerken auch immer mehr Jugendliche Desinformation und Beleidigungen im Netz. Über die Hälfte ist schon einmal mit Fake News und beleidigenden Kommentaren in Berührung gekommen und extreme politische Ansichten, Verschwörungserzählungen und Hassbotschaften liegen mit ca. 40% nicht weit dahinter. 14% wurden selbst schon einmal Opfer von Beleidigungen. Schüler*innen müssen deswegen stärker für diese Phänomene sensibilisiert werden und lernen, Desinformation zu erkennen und extremistischen Meinungen zu begegnen. Die Unterrichtseinheit „Hass in der Demokratie begegnen“ von Medien in die Schule eignet sich dazu, da sie Jugendliche altersgerecht über Rechtsextremismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Hate Speech aufklärt.

Auch wurden 2023 zum ersten Mal der Kontakt zu pornografischen Inhalten erfasst, welchen 23% aller Jugendlichen schon einmal unfreiwillig ausgesetzt wurden. Fast ein Drittel ist zudem bereits selbst sexuell belästigt worden, 6% der Betroffenen passiert dies sogar mehrmals pro Woche. Mädchen sind dabei mit einem Unterschied von 12 Prozentpunkten deutlich häufiger betroffen als Jungen. Meistens finden solche sexuellen Belästigungen auf Instagram (35%), TikTok (20%) oder Snapchat (14%) statt. Jugendliche müssen vor solchen Situationen geschützt werden und sie müssen, darin unterstützt werden, problematische Inhalte und Situationen selbst zu erkennen. Die Module „Persönliche Daten“ und „Identitäten und Profile: Jeder kann Jeder sein?“ helfen Jugendlichen dabei, ihre persönlichen Informationen im Internet privat zu halten und Profile von potenziell böswilligen Personen zu erkennen. Das Modul „Erscheinungsformen problematischer Inhalte und Verhaltensweisen im Netz“ der Einheit Jugendliche online hingegen bringt ihnen bei, kritische Situationen im Internet auszumachen und angemessen darauf zu reagieren.

Digitale Medien und Schule: Schulmessenger als Stressfaktor

63% aller Schüler*innen zwischen 12 und 19 Jahren gehen regelmäßig im Unterricht online. Am häufigsten werden dabei Tablets (39%), Smartphones (35%), Smartboards (26%) und Laptops (21%) genutzt. Durch die Corona-Pandemie und den vermehrten Einsatz von Tools wie Schulmessengern, Schulclouds und Online-Meetings verschwimmt die Linie zwischen Schule und Freizeit immer mehr. 79% aller Schüler*innen geben an, einen Schulmessenger zu nutzen und 31% haben dadurch das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. 30% können deshalb nicht richtig von der Schule abschalten und 24% fühlen sich deswegen gestresst. Jeder Fünfte verliert dadurch auch den Überblick über die eigenen Aufgaben und fühlt sich technisch überfordert. Aufgrund dessen ist es wichtig, dass Lehrkräfte sich dieses Stressfaktors bewusst sind und die Präferenzen und Sorgen der Schüler*innen beachtet werden.

Das Modul „Deine Meinung zum Thema »Onlinekommunikation«“ hilft dabei, ins Gespräch zu treten und Schüler*innen den Freiraum zu lassen, offen über Kommunikation im Netz und ihre eigenen Empfindungen zu reden. Dabei können mithilfe des Moduls „Für ein respektvolles Miteinander: Regeln für den Gruppen-/Klassenchat“ Regeln ausgehandelt werden, die den Kontakt über Schulmessenger und in Klassenchats nicht nur zwischen Lehrkräften und Schüler*innen, sondern auch zwischen Klassenkameraden einschränken und ein angenehmes Klassenklima gewährleisten.

Mediengewichtungsstudie 2023: Soziale Medien als wichtigste Informationsquelle unter Jugendlichen

Auch im vergangenen Jahr haben sich die Medienanstalten mit dem Einfluss verschiedener Medien auf die Meinungsbildung in Deutschland befasst. Dazu wurde der Medienalltag von 1.412 Studienteilnehmenden ab 14 Jahren im Rahmen der Mediengewichtungsstudie 2023 erfasst und ausgewertet. Berücksichtigt wurden dabei die Mediengattungen Fernsehen, Radio, Internet, Zeitung, Zeitschrift und Magazin.

Ein besonderes Augenmerk wurde bei der Auswertung auf die Funktion von Intermediären wie sozialer Netzwerke bei der Verbreitung von Informationen gelegt. Vor allem Kinder und Jugendliche haben oft Probleme damit, wahre von verfälschten Inhalten zu unterscheiden und die Legitimität von Anbietern einzuschätzen, sind jedoch gleichzeitig besonders im Internet einer andauernden, stetig wachsenden Flut an Desinformation und Verschwörungserzählungen ausgesetzt. Es ist deswegen wichtig, die Reichweite solcher digitaler Angebote einzuschätzen, um Minderjährige auf künftige Herausforderungen vorbereiten zu können.

Das Internet übertrifft das Fernsehen erstmals als wichtigstes Informationsmedium

Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau von 2019 ist die Mediennutzung für informative Zwecke im letzten Jahr etwas angestiegen. Insgesamt gaben 81,4 Prozent aller 14- bis 29-Jährigen an, Medien täglich für die Informationssuche zu verwenden. An erster Stelle stand dabei das Internet, welches von knapp über der Hälfte jeden Tag für Informationen genutzt wird, und übertraf damit erstmalig das Fernsehen als dominanteste Informationsquelle. Bei den jüngeren erfassten Altersgruppen betrug dieser Wert sogar bis zu 70,9 Prozent. Auch messen Jugendliche dem Internet deutlich mehr Bedeutung bei der Informationssuche bei als Erwachsene. Aber auch klassische Angebote wie das Fernsehen, Tageszeitungen und das Radio werden weiterhin von ihnen genutzt.

Die Angebote klassischer Anbieter bleiben im Internet jedoch weiterhin beliebt: mit 30,8 Prozent liegen sie auf dem 2. Platz der wichtigsten Info-Touchpoints für Jugendliche, hinter originären Onlineangeboten. Auch die sozialen Medien, Internetangebote und Angebote des Rundfunks werden von dieser Altersgruppe als bedeutend für den Informationskonsum erachtet.

Instagram als wichtigste Informationsquelle unter Jugendlichen

Insgesamt ist die Nutzung von Intermediären im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Jedoch bleiben sie für den Informationszyklus weiterhin relevant. Während die Suchmaschine Google bei allen anderen Altersgruppen die höchste Tagesreichweite verzeichnete, zeigte sich Instagram mit beinahe einem Drittel aller Befragten als Sieger bei den unter 30-Jährigen. Google folgte mit etwas Abstand auf Platz 2 (26,1%), während YouTube (25,7%), TikTok (11,7%) und Facebook (8,1%) den Rest der Top 5 bekleideten.

Die sozialen Medien stechen damit noch vor anderen Onlineangeboten als wichtigste Informationslieferanten hervor. Allerdings nimmt die Mehrheit Nachrichten nur nebenher auf und nutzt die Plattformen primär für andere Zwecke wie der Unterhaltung oder Kommunikation mit Freund*innen und Familie. Nur für 10,5 Prozent sind Informationen der Hauptgrund für ihre Nutzung von sozialen Medien. Auch halten über die Hälfte die Informationen, die ihnen in ihrem Feed angezeigt werden, für ausreichend.

Dennoch hält knapp über ein Viertel die sozialen Medien für wichtige Nachrichtenquellen und nutzt diese täglich für solche Zwecke. Auch hat über ein Drittel mindestens ein Nachrichtenangebot auf einem oder mehreren der Netzwerke abonniert. Besonders beliebt sind dabei Angebote klassischer Medien (44,8%), eines Fernsehsenders (35,7%) und von Tageszeitungen (25,3%), aber auch von individuellen Content Creators wie privaten Nutzer*innen (26,1%) oder Blogger*innen, Influencer*innen und YouTuber*innen (23,3%). Diejenigen, die regelmäßig Nachrichten in den sozialen Medien rezipieren, lesen mehrheitlich auch weiterführende Informationen, Kommentare und Diskussionen zu diesen Beiträgen. Auch teilen 22,5 Prozent Artikel mit anderen und 20,6 Prozent nehmen selbst am Diskurs in der Kommentarsektion teil.

Problematisch ist allerdings die Anzahl an Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich (fast) ausschließlich auf die sozialen Medien für ihre Nachrichten verlassen: 36,8 Prozent geben an, Informationen hauptsächlich oder sogar exklusiv über die sozialen Medien aufzunehmen. Zwar nutzen die meisten somit dennoch entweder soziale Medien und andere Quellen gleichermaßen oder präferieren sogar andere Informationsangebote, allerdings kann der relativ große Anteil, der nicht auf andere Quellen zurückgreift, nicht unbeachtet gelassen zu werden. Denn eine solche Einschränkung der Informationsquellen führt dazu, dass Informationen schwerer über verschiedene Quellen hinweg verifiziert werden können und kann zur Verbreitung von Desinformation beitragen.

Unsere weiterführenden Angebote

Deswegen ist es wichtig, Jugendliche im Umgang mit verschiedenen Mediengattungen zu schulen und ihnen beizubringen, sich ihre Meinung auf der Basis von vielen unterschiedlichen Quellen zu bilden. Die folgenden Lehrmaterialien sollen Lehrkräfte dabei unterstützen, Schüler*innen im schulischen Kontext über Themen wie Desinformation, Meinungsbildung und Nachrichtenproduktion zu unterrichten:

Vorgestellt: „Grundschul-Spezial“ zur Förderung von Nachrichtenkompetenz | FINNreporter

Schon seit langem ermöglicht der fragFINN e.V. es seinen Kinderreporter*innen, ihre eigenen Nachrichten zu gestalten. Im Jahr 2021 startete der Verein zudem das zweijährige Projekt „FINNreporter“, welches von der BKM (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) gefördert wurde und der Stärkung von Nachrichtenkompetenz diente. Mit Unterstützung von Pädagog*innen und Medienexpert*innen konnten Kinder zwischen 8 und 14 Jahren in Workshops verschiedenste Nachrichtenformate kennenlernen und selbst produzieren.

Nun können Schüler*innen auch im Rahmen des Unterrichts, in Projektwochen oder in Medienzentren mithilfe des neuen Begleithefts „Nachrichten entdecken & verstehen — Ein Begleitmaterial für Pädagog*innen“ eigene Nachrichten recherchieren und erstellen. Das Begleitheft umfasst 6 Einheiten zu verschiedenen Produktionsformen, Produktionsschritten und Problematiken beim Erstellen von Nachrichten. Das Material eignet sich für die Klassenstufen 4 bis 6 und kann leicht in die Unterrichtsfächer Deutsch, Sachkunde und Ethik eingebunden werden. Jede Einheit beansprucht zwischen 60 und 90 Minuten und kann in ungefähr 3 Unterrichtsblöcken bearbeitet werden. Alle Materialien sind kostenfrei zum Download verfügbar.

Modulübersicht

Jede der 6 Einheiten befasst sich mit einem anderen Aspekt der Nachrichtenproduktion und -rezeption und stärkt somit einen anderen Kompetenzbereich. Denn in einem Nachrichtenklima, in dem Desinformation immer schneller und weitreichender verbreitet wird, müssen Kinder für solche Inhalte sensibilisiert werden. Durch die Produktion eigener Nachrichten lernen sie, wie man richtig recherchiert, Nachrichten kritisch hinterfragt und analysiert und gewinnen einen Einblick in die Arbeit von Journalist*innen. Die Themen und Lernziele der Einheiten lauten wie folgt:

  1. Fernsehsendung (Aufbau klassischer Fernsehsendungen, Kennenlernen verschiedener Berufsgruppen der Fernsehproduktion und Beitragsarten von Nachrichten)
  2. Podcast (Einführung ins Nachrichtenformat Podcast, Stärkung des Hörverständnis, Förderung der Medienkompetenz im Bereich Audioaufnahmen)
  3. Zeitung (Kennenlernen verschiedener Textsorten, W-Fragen, Aufbau von Zeitungsartikeln, Förderung der Lese- und Schreibekompetenz)
  4. Radiosendung (Einführung ins Nachrichtenformat Radio, Förderung der Recherchekompetenz, Kennenlernen verschiedener Aufgabenfelder der Radioproduktion)
  5. Reportage (Förderung der Medienkompetenz im Bereich Filmen und Bildgestaltung, der Recherchekompetenz und Lese- und Schreibekompetenz)
  6. Fake News (Förderung der Nachrichtenkompetenz, des Journalismusverständnisses und der Recherchekompetenz)

Zudem gibt es einen Stundenablaufplan für alle Einheiten, an dem sich Lehrkräfte und Pädagog*innen bei der Planung orientieren können. Die Modulinhalte können dabei flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse der Schüler*innen angepasst werden.

Über den fragFINN e.V.

Der fragFINN e.V. setzt sich für den Jugendmedienschutz und die Stärkung der Medienkompetenz von Kindern ein. Die Kindersuchmaschine fragFINN.de ermöglicht es Kindern zwischen 6 und 12 Jahren, sicher im Internet unterwegs zu sein. Sie basiert auf einer geprüften Positivliste, welche Kinderseiten und weitere kindgerechte Angebote bei der Suche priorisiert. Zudem stellt die Initiative im Erwachsenenbereich der Seite Eltern und Pädagog*innen Informationsmaterial und technische Jugendmedienschutzoptionen vor.

Vorgestellt: Neue Videoreihe „Mehr Durchblick mit…“ gegen Desinformation und Hate Speech | weitklick

Das Blended-Learning-Fortbildungsprogramm weitklick hat eine neue fünfteilige Videoreihe mit dem Titel „Mehr Durchblick mit…“ veröffentlicht. Die Videos sollen Kindern und Jugendlichen einen niederschwelligen Einstieg in das Themenfeld Desinformation und Hate Speech bieten. Denn gerade diese Altersgruppe ist laut der neusten JIM-Studie vermehrt einer Flut an Desinformation ausgesetzt und muss lernen, dieser zu begegnen.

In den Videos erklären Fachkräfte aus der Medienbranche anhand von Beispielen aus ihrer Berufspraxis, wie Desinformation und Hass in den Medien und auf Social Media aussehen können. Außerdem geben sie praktische Tipps zum Umgang mit beiden Phänomenen. Die Videos sind zwei bis vier Minuten lang und setzen kein Vorwissen voraus, weshalb sie sich für den Einsatz im Unterricht oder in außerschulischen Bildungsprojekten eignen. Sie empfehlen sich für Schüler*innen ab der 7. Klasse.

Die Videoreihe im Überblick

Die fünf Videos befassen sich mit unterschiedlichen Facetten von Desinformation und Hate Speech wie der Einschätzung der Seriosität von Quellen, dem Einsatz von KI bei der Verbreitung von Desinformation und dem Zusammenhang zwischen Desinformation und Hate Speech. Die Themen und Referent*innen sind im Detail hier aufgelistet:

  1. „Wie kann ich seriöse von unseriösen Nachrichtenquellen auf Social Media unterscheiden?“ mit Minh Thu Tran (Journalistin & Podcasterin)
  2. „Wie erkenne ich Desinformation und was kann ich dagegen tun?“ mit Pascal Siggelkow (ARD-faktenfinder)
  3. „Was verändert sich durch KI in Bezug auf Desinformation?“ mit Cristina Helberg (Journalistin & Medientrainerin)
  4. „Was ist Hate Speech und was kann ich dagegen tun?“ mit Fluky (Referent*in für politische Bildung)
  5. „Wie hängen Desinformation und Hate Speech zusammen?“ mit Charlotte Lohmann (Expertin für Medienkompetenz)

Die Videos sind kosten- und werbefrei und können unter www.weitklick.de/videoreihe über YouTube gestreamt oder direkt heruntergeladen werden. Es stehen Untertitel auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und Russisch zur Verfügung.

Vorgestellt: Unterrichtsmaterial „Influence is everywhere! Informationskompetenz und Social Media“ | Media Smart e.V.

Die medienpädagogische Bildungsinitiative Media Smart e.V. hat eine neue Folge ihrer Reihe Media Snacks unter dem Titel “Influence is everywhere!“ Informationskompetenz als Schlüsselqualifikation im Zeitalter von Social Media” veröffentlicht. Sowohl im Alltag als auch in der digitalen Welt sind wir ständig verschiedenen Botschaften ausgesetzt. Oft merken wir dabei selbst nicht, dass wir gerade beeinflusst werden, da wir Desinformation, von Algorithmen selektierte Inhalte oder versteckte Produktplatzierungen nicht immer sofort erkennen.

Genau darauf versucht das Projekt “Influence is everywhere!” aufmerksam zu machen. Das Bildungspaket ist darauf ausgelegt, jungen Menschen bei der Informationssuche und -verarbeitung zu helfen und ihnen beizubringen, beeinflussende Inhalte zu erkennen. Klassische Arbeitsblätter werden dabei mit interaktiven Unterrichtseinheiten und Interviews gekoppelt, um ein vielfältiges und ansprechendes Angebot für die Klassenstufen 6 bis 8 zu gestalten. Das Material ist fächerübergreifend und flexibel im z.B. Deutschunterricht oder der Gesellschaftslehre einsetzbar.

Die Inhalte des Bildungspakets kurz vorgestellt

Im 1. Kapitel “Grundlagen der (Medien-)Sozialisation” werden digitale Interaktionen näher beleuchtet und kritisch betrachtet. Uns wird unsere eigene Rolle als Empfänger*innen vor Augen geführt und welche Arten von Beziehungen wir beim Konsum von Inhalten mit deren Sender*innen eingehen. Auch unser eigener Einfluss durch z.B. Kommentare im Internet auf das Verhalten und die Medienrezeption anderer wird verdeutlicht und wie Interaktionen im Netz sich rückwirkend wieder im analogen Leben bemerkbar machen.

Das 2. Kapitel “Ein kritischer Blick auf Informationen im Netz” fokussiert sich anschließend dazu auf die Macht von Falschnachrichten und Werbeplatzierungen auf Meinungsbildungsprozesse und die eigenen Emotionen. Im 3. Kapitel “Digitale Medien als Mutmacher” wird die positive Seite digitaler Medien thematisiert. Hier wird betont, dass Kanäle wie soziale Netzwerke selbstverständlich nicht nur für das Verbreiten böswilligen Gedankengutes und negativer Berichterstattung genutzt werden können, sondern  junge Menschen auch zu Aktivismus und sozialem Engagement mobilisieren können. Im 4. Kapitel “Das Einmaleins der Informationskompetenz” werden Materialien und  praxisbezogene Methoden bereitgestellt, wie Kinder und Jugendliche lernen können,  kompetent mit Beiträgen in den sozialen Netzwerken und auf Nachrichtenseiten umzugehen, Quellen zu überprüfen und selbst zu recherchieren.

Screenshot: „Influence is everywhere!“, mediasmart.de

Das Lehrmaterial im Fokus

Die wachsende Informationsflut ist Teil des Lebens von Kindern und Jugendlichen und wird sie auch in Zukunft begleiten, kann auf sie aber überwältigend wirken. Deswegen wird es immer wichtiger, junge Menschen schon früh mit Kompetenzen auszustatten, auf die sie folglich ihr ganzes Leben lang zurückgreifen können. Dafür ist es jedoch wichtig, erst einmal ein Interesse für die Thematik aufzubauen, was mit den Unterrichtsentwürfen und Arbeitsmaterialien von Media Smarts erleichtert werden soll: Durch das vielfältige Angebot wird es Lehrkräften ermöglicht, jedes Kind individuell anzusprechen und ihnen die Schwerpunkte des Bildungspakets auf verschiedenste Weisen näher zu bringen.

Jeder Unterrichtsabschnitt wird von einem Erklärvideo begleitet und Erlerntes kann durch interaktive Quizze spielerisch gefestigt werden. Auch weiterführendes Material zur Analyse und als Anregung für Diskussionen wird bereitgestellt: Von einer Liste von Influencerbeiträgen, die es auf womöglich problematische oder hilfreiche Inhalte zu untersuchen gilt bis hin zu einem Interview mit der Klimaaktivistin Fabia Klein von Fridays for Future als Beispiel für die positiven Auswirkungen der sozialen Netzwerke auf das alltägliche Leben ist alles mit dabei. Lehrkräfte werden ebenfalls dabei unterstützt, in den Austausch mit Eltern zu treten und es wird zu einem dynamischen Dialog zwischen Schulen, Schüler*innen und Eltern angeregt.

Erklärvideo: Joshua im Informationsdschungel | Media Smart e.V.

Über Media Smart e.V.

Media Smart e.V. ist eine gemeinnützige Bildungsinitiative, die die Medien- und Werbekompetenz von Kindern und Jugendlichen fördert. Ihre Angebote setzen sich aus kostenfreien, medienpädagogischen Bildungsmaterialien wie den Media Snacks und Beiträgen rund um Medien und Werbung auf den sozialen Netzwerken zusammen.

Das Projekt “Influence is everywhere!” wurde durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) gefördert. Der Verein wird durch die Unternehmen Ad Alliance GmbH, Ferrero, Hasbro, LEGO, Mattel, MediaCom Agentur für Media-Beratung, Omnicom Media Group Germany (OMG) und SUPER RTL Fernsehen GmbH unterstützt.

IPSOS-Studie 2023: Digitale Kompetenzen aus der Sicht der Eltern

Angetrieben durch die Coronapandemie ist die Digitalisierung im Bildungswesen in den vergangenen Jahren rapide fortgeschritten. Diese Entwicklung stellt eine Herausforderung für Schulen, Lehrkräfte sowie Eltern dar, die sich an neue digitale Tools gewöhnen und Online-Risikofaktoren entgegenstehen müssen. Wie auch im Vorjahr hat sich die IPSOS-Studie, die erneut von der Vodafone Group Foundation in Auftrag gegeben wurde, mit dieser Problematik beschäftigt. Diesmal liegt der Fokus der Studie jedoch nicht auf den Lehrkräften, sondern auf dem Eindruck der Eltern von der Digitalisierung an Schulen. Die Studie gibt Lehrkräften und Bildungseinrichtungen wichtige Einblicke in die Sichtweise und Wünsche der Eltern bezüglich digitaler Kompetenzen, die es zu beachten und umzusetzen gilt.

Wie Eltern digitale Kompetenzen einschätzen

In der diesjährigen IPSOS-Studie wurden 1.000 Eltern aus Deutschland darum gebeten, ihre eigenen digitalen Kompetenzen einzuschätzen. 29% der deutschen Eltern würden sich selbst als „Expert*innen“ im Umgang mit digitalen Technologien einschätzen, während ein Drittel sich zumindest als „fortgeschritten“ in diesem Bereich betrachtet. Die übrigen 36% haben hingegen weniger vertrauen in ihre Kenntnisse und würden sich eher als „Anfänger*innen“ bezeichnen. Damit verzeichnet Deutschland zwar etwas mehr „Expert*innen“ als der europäische Durchschnitt (27%), steht ihm jedoch deutlich an „Fortgeschrittenen“ (43%) nach.

Ungeachtet der eigenen digitalen Kompetenzen sehen alle Eltern die digitale Bildung ihres Kindes als wichtig an. Vor allem halten sie es für unerlässlich, dass Kinder sich wichtige Kompetenzen für das digitale Zeitalter wie die „21st Century Skills“ aus der vorherigen Studie aneignen. Fast 80% der Befragten versprechen sich von einer hochwertigen digitalen Bildung auch einen Zugang zu besseren Informationsquellen und den leichteren Umgang mit interaktiven Lernmethoden. Besonders für das spätere Berufsleben halten 79% der Eltern digitale Kompetenzen für wichtig. Gleichzeitig sind sie sich auch den Risiken bewusst, die digitale Technologien bergen können. So fürchten Eltern insbesondere die Schwächung traditioneller Kompetenzen wie Handschrift oder das Lesen von Büchern, aber auch gesundheitliche Folgen durch die Abhängigkeit von digitalen Geräten und Cybermobbing.

Forderungen an Schulen und den Staat

Die meisten Eltern haben eine klare Vorstellung davon, wie und welche digitale Kompetenzen vermittelt werden müssen und welche Ressourcen für eine gute digitale Bildung notwendig sind. Die überwiegende Mehrheit fordert eine fächerübergreifende Aufarbeitung von Themen rund um die Digitalisierung und findet, dass die Aneignung digitaler Kompetenzen ein zentrales Lernziel an Schulen sein sollte. Dabei sollten jedoch soziale Kompetenzen wie kritisches Denken, Empathie und Resilienz nicht vernachlässigt werden. Auch sollten ihnen zufolge europaweit einheitliche Standards für die digitale Bildung an Schulen eingeführt werden.

Zudem sollen schon früh digitale Technologien im Unterricht eingesetzt werden. Fast die Hälfte der Eltern wünscht sich die Einbindung von Technik in den Lehrplan ab einem Alter von 8 bis 10 Jahren. Dazu soll vor allem der Staat finanzielle Mittel liefern, um die technische Ausstattung an Schulen weiter auszubauen. Der Werkzeugkasten „Lernen & Lehren mit Apps“ sammelt stetig neue Tools für Lehrkräfte, um dieser Bitte Folge zu leisten. Tablets, Laptops und Smartphones gehören zu den derzeit am weitesten verbreiteten Geräten an Schulen und die Tools sind dazu passend auf immer mindestens einem dieser Geräte verfügbar. Mit ihnen lässt sich sowohl der Präsenz- wie auch Onlineunterricht interaktiv und abwechslungsreich gestalten.

Nicht zuletzt befürchtet ein Fünftel der Eltern, dass Lehrkräfte nicht ausreichend dafür ausgebildet sind, um digitale Kompetenzen zu vermitteln. Sie fordern deswegen mehr Fortbildungen, Beratungen und Hilfen für Lehrer*innen und Pädagog*innen. Das Blended-Learning-Fortbildungsprogramm weitklick stellt eine solche Option für Lehrkräfte dar und ermöglicht es ihnen, sich selbstständig und im eigenen Tempo Inhalte zu erschließen. Der Fokus der Online-Weiterbildung liegt dabei auf dem Thema Desinformation und schneidet weitere Bereiche wie Hate Speech und Meinungsbildung an. Die Unterrichtseinheiten von Medien in die Schule bieten eine zusätzliche Hilfestellung für Lehrende. Deren Module und vielfältige Arbeitsmaterialien können entweder direkt im Unterricht umgesetzt werden oder der Orientierung und Inspiration für eigene Lehrinhalte dienen. Die Einheit „Jugendliche online. Zwischen Information, Interaktion und Unterhaltung“ ist ein guter Einstieg in relevante Themen der Onlinenutzung wie den sicheren Umgang mit persönlichen Daten, Kommunikation im Netz, sicheres Suchen und Unterhaltung.

Medienkompetenz gemeinsam fördern: Neue Materialien für Elternarbeit von weitklick

Im digitalen Zeitalter stellt Desinformation eine wachsende Herausforderung dar — sowohl in der Schule als auch zu Hause. In einer aktuellen Umfrage gaben 57 Prozent der Eltern in Deutschland an, besorgt zu sein, dass ihre Kinder im Internet mit Desinformation konfrontiert wird. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern ist deswegen von entscheidender Bedeutung, um die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu stärken.

Anlaufstellen, Materialien und Tipps: Neue Hilfsmittel für die Elternarbeit

Das Blended-Learning-Fortbildungsprogramm weitklick unterstützt Lehr- und pädagogische Fachkräfte deswegen nicht nur dabei, das Thema Desinformation für den Unterricht aufzubereiten, sondern bietet ab sofort auch umfangreiche Ressourcen für eine engere medienpädagogische Elternarbeit an. Dazu gehören eine bundesweite Liste von Anlaufstellen, ein Materialpaket zur Durchführung eines Elternabends zum Thema Desinformation und ein Blogbeitrag von Dr. Sophie Reimers (Eltern-Medien-Beratung bei der AKJS Brandenburg) mit konkreten Praxistipps für Lehrkräfte zur Elternarbeit.

Durch die Übersicht an Anlaufstellen und medienpädagogischen Projekten sollen Lehrkräfte leichter Zugang zu professioneller Unterstützung und Expert*innen finden. Diese können unter anderem als Referent*innen zu Elternabenden eingeladen werden. Weiterhin stellt das Materialpaket alles bereit, was für einen solchen Elternabend benötigt wird, von einer Präsentation über einem Ablaufplan, Skript, Elternbrief, Handout und bis hin zu einer kurzen Videoreihe. Der Blogbeitrag „Mit den Eltern gemeinsam gegen Desinformation – 8 Tipps wie Sie Eltern erreichen“ bietet darüber hinaus einen Überblick über wichtige Punkte, die bei der Kommunikation mit Eltern für eine reibungslose Zusammenarbeit beachtet werden müssen. Des Weiteren können auch die bereits bestehenden Materialien von weitklick nach der Zielgruppe „Eltern“ gefiltert werden. All diese Ressourcen sollen gemeinsam zu einer produktiven und wirksamen Elternarbeit beitragen.

Vorgestellt: Neuer weitklick Online-Kurs zum Thema „Desinformation und Hate Speech“ für Lehrkräfte

weitklick Das Netzwerk für digitale Medien- und Meinungsbildung hat einen neuen Online-Selbstlernkurs zum Thema „Desinformation und Hate Speech“ veröffentlicht. Der Kurs umfasst zwei aufeinander aufbauende Module und soll Lehrkräfte dabei unterstützen, Hate Speech und Desinformation im Internet zu erkennen und zu verstehen, wie die beiden Phänomene im Internet zusammenhängen. Zudem erhalten Lehrkräfte Anregungen, wie sie die Themen im Unterricht mit Schüler*innen behandeln können.

Schon seit 2020 bietet weitklick Online-Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte zum Thema Desinformation an. Der neue Kurs wurde in Kooperation mit dem Projekt „firewall Hass im Netz begegnen“ der Amadeu Antonio Stiftung entwickelt und eignet sich für die Sekundarstufe I und II sowie für Berufsschulen.

Der Kurs „Desinformation und Hate Speech“ ist ab sofort kostenfrei unter www.weitklick.de/kurse verfügbar. Insgesamt bietet weitklick sechs Online-Kurse für Lehrende an.

Themenschwerpunkte des Kurses

Die beiden Module des neuen Online-Kurses sind interaktiv aufgebaut und bieten vielfältige Materialien. Auf Lehrkräfte warten nicht nur fundierter Input, sondern auch Übungen und Reflexionsfragen, die das Wissen zusätzlich stärken sollen. Am Ende beider Module lernen Lehrkräfte im Kursbereich “Werkstatt” Materialien und Methoden kennen, wie sie die Themen im Unterricht bearbeiten können.

Modul 1 zielt in erste Linie darauf ab, erst einmal ein grundlegendes Verständnis von Hate Speech und Desinformation zu erlangen. Im Kurs lernen Lehrkräfte Formen, Verbreitungswege und Motive für die Verbreitung von Desinformation und Hate Speech kennen.

Modul 2 beschäftigt sich daran anschließend mit konkreten Handlungsstrategien und Anlaufstellen gegen Hate Speech und Desinformation und thematisiert deren Wahrnehmung durch Jugendliche und junge Erwachsene.

Ziel des Kurses

Antidemokratische Gruppierungen greifen seit jeher zu Desinformation und Hate Speech als Mittel, um ihre Narrative und fraglichen Ansichten zu verbreiten. Durch das Internet und die Technologien des digitalen Zeitalters wird ihre Reichweite jedoch stetig erweitert, was besonders in Krisenzeiten problematisch ist. 65% aller Internetnutzer*innen ab 14 Jahren nehmen Hate Speech und Desinformation wahr, 12% sogar sehr häufig (Quelle: Hate Speech, Forsa-Studie 2022).

Es ist deswegen unerlässlich, dass Lehrkräfte für Desinformation und Hate Speech sensibilisiert werden und so dazu befähigt werden, Kindern und Jugendlichen die Gefahren von Desinformation und Hate Speech zu vermitteln. Eine Thematisierung im Unterricht trägt dazu bei, dass Schüler*innen ein größeres Verständnis für die Problematik entwickeln und menschenfeindliche Rhetorik erkennen und entkräften können.