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Einführung

Soziale Netzwerke und Online-Angebote bieten unzählige Möglichkeiten, Informationen zu allen denkbaren Themen zu finden. Trotzdem gibt es Fragen, zu denen es keine zufriedenstellenden Erläuterungen gibt oder die nicht beantwortet werden können.

Auf der Suche nach Erklärungen begegnet man dann schnell Verschwörungstheorien[1] bzw. verschwörungstheoretischen Argumentationen. Durch die Vernetzungsmechanismen Sozialer Netzwerke können solche Theorien schnell und weit verbreitet werden, manchmal auch durch unreflektiertes Liken und Teilen.

Gerade Jugendliche, die auf der Suche nach Orientierung sind, können leicht auf Verschwörungstheorien treffen oder mit Verschwörer*innen in Kontakt kommen. Nicht nur Jugendliche sind dafür empfänglich. Die einfachen Erklärungsmuster können durchaus massentauglich sein. In Krisenzeiten haben Verschwörungstheorien Erfolg, weil sie Schuldige, Ursachen und einfache Erklärungen für komplexe Situationen in falschen Sinnzusammenhängen liefern. Sie können mit richtigen Fakten und Akteur*innen in falschen Kontexten und Argumentationslinien arbeiten, sich aber auch mit fantastischen Elementen wie Reptilienmenschen, Aliens und Hohlwelten beschäftigen.

Unabhängig davon, in welcher Form die Verschwörungstheorie erzählt ist: Sie liefert Erklärungen und vermittelt dem/der Anhänger*in das Gefühl, Bescheid zu wissen und nicht länger im Unklaren zu sein, weil er/sie Widersprüchlichkeiten und offene Fragen nicht aushalten kann. Gleichzeitig bietet sie Anhänger*innen auch die Möglichkeit eigene Niederlagen mit einer Verschwörung zu rechtfertigen.

So kann ein geschlossenes Selbstbild entstehen:[2] Man umgibt sich nur noch mit Gleichgesinnten, schließt sich entsprechenden Gruppen an und Vernetzungsmechanismen entwickeln sich zu einer Filterblase bzw. Echokammer[3].

Problematisch wird es, wenn dabei Gruppen entstehen, die eine offene demokratische Gesellschaft ablehnen und an Einfluss in der öffentlichen Debatte gewinnen oder gar zur Jagd auf vermeintlich Schuldige aufrufen. Um Jugendliche davor zu schützen, müssen sie die Elemente und Mechanismen hinter Verschwörungstheorien erkennen können und Gegensätzlichkeit und Widersprüche tolerieren lernen.

Ziel

Die Schüler*innen sollen nachvollziehen können, wie es zu geschlossenen Weltbildern, die keinen Widerspruch dulden, kommen kann. Sie analysieren, was eine Verschwörungstheorie ist und welche Ursachen und Funktionen dahinter stehen. Sie sehen, was an diesen Ansätzen problematisch ist und erkennen die Strukturen. Dazu sichten die Schüler*innen vorgegebene Medienmaterialien (Expert*innen-Statements, Interviews etc.) und bereiten die Inhalte für die Erstellung einer eigenen Multimediapräsentation auf.

In der Unterrichtseinheit „Verschwörungsstar“ (UE3c) können auf spielerische Weise die Mechanismen von Verschwörungstheorien aufgedeckt werden. In der abschließenden Unterrichtseinheit zur Quellenanalyse (UE3d) wenden die Schüler*innen konkrete Überprüfungsmöglichkeiten von Fakten an.

Zeitbedarf

Für das Modul 3 (ohne UE3a und optionale UE3c und UE3d) sollten 135 Minuten eingeplant werden.

Unterrichtseinheiten des Moduls
Einleitung Modul 3
UE3-a Charakteristische Eigenschaften von Netzkommunikation (UE entfällt, wenn Modul 1 bereits durchgeführt wurde) ca. 25 Min.
UE3-b Was ist eine Verschwörungstheorie ca. 135 Min.
UE3-c Verschwörungsstar (optional) ca. 20 Min.
UE3-d Medienanalyse zu einer Veschwörungstheorie (optional) ca. 25 Min.
zusammen ohne optionale Module
ca. 135 Min.
zusammen inklusive optionale Module
ca. 205 Min.

[1]    Vgl. Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.) (2015): No World Order: Wie antisemitische Verschwörungsideologien die Welt verklären. Berlin, S. 9. URL: http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/verschwoerungen-internet.pdf

Der Begriff „Verschwörungstheorie“ hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt; er ist aber eigentlich falsch, da er Wissenschaftlichkeit impliziert. Besser ist der Begriff „Verschwörungsideologie“, weil ein Verschwörungsverdacht trotz Gegenbeweis aufrechterhalten wird.

[2]    Siehe Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.) (2015): No World Order: Wie antisemitische Verschwörungsideologien die Welt verklären. Berlin, S. 18. URL: http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/verschwoerungen-internet.pdf

[3]   Siehe Materialblatt 3  (PDF | DOCX | ODT): Definitionen der Schlagwörter zur Netzkommunikation.